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31.10.2016

Naturschutzinitiative: "Windkraft-Bauantrag in Ulrichstein ist mit dem Naturschutz nicht vereinbar!“

Am kommenden Donnerstag, dem 3. November findet ab 09.00 Uhr der öffentliche Erörterungstermin zum Antrag von ovag ENERGIE AG und Bohn GbR im Innovationszentrum der Stadt Ulrichstein statt

Die Naturschutzinitiative e. V. (NI) hat bereits im Rahmen der Offenlagen beim Regierungspräsidium Gießen zum Bauantrag dreier Windkraftanlagen (WKA) nur einen Kilometer nördlich von Ulrichstein, Richtung Helpershain auf den benachbarten Bergen Kopf und Köppel, auf die zahlreichen entgegenstehenden Naturschutzbelange hingewiesen.

Die dabei abgegebenen Gutachten der Antragsteller zum Thema Natur- und Artenschutz sind hierbei oft als unzureichend betrachtet werden, einige wichtige Faktoren oder Arten wurden dabei sogar gar nicht berücksichtigt.

Insbesondere weist der Naturschutzverband auf die Lage der geplanten „Windfarm“ in einem Rotmilandichtezentrum hin. Der Rotmilan ist eine stark gefährdete Vogelart, für die gerade Hessen als eins der Bundesländer mit den meisten Individuen, eine hohe Verantwortung trägt. Zudem ist dieser Greifvogel besonders anfällig, in den Windrädern getötet zu werden, da er keine Meideverhalten gegenüber diesen Anlagen zeigt.

"Es kann nicht sein, dass der Antragsteller insbesondere den Bau der WKA Nr. 1 auf dem Eckmannshain weiterverfolgt, obwohl sich nur 150 m daneben ein Horst des Rotmilans befindet und es mehrere Bruthinweise in den vergangenen Jahren gab – teilweise evtl. in einem zweiten Horst in unmittelbarer Umgebung.", erklärte Harry Neumann, Vorsitzender der Naturschutzinitiative e.V. (NI).

„Dass das Gutachterbüro des Vorhabenträgers hier selbst keine Bruthinweise gefunden habe, lasse sich mit einem nicht ausreichenden Zeitraum für die Beobachtungsgänge und teilweise nicht geeigneten Beobachtungspunkten erklären. Außerdem stammten deren Beobachtungen überwiegend aus dem Jahr 2012 und könnten daher die neuesten Entwicklungen gar nicht berücksichtigen“, so Rüdiger von dem Borne, Fachbeirat der NI, weiter.

Auch verwunderlich ist es, dass der mit dieser WKA Nr. 1 geplante Bereich durch das RP Gießen mittlerweile aus der Regionalplanung herausgenommen wurde. So scheint auch das RP Gießen diesen Standort nicht mehr als geeignet für die Windenergieversorgung zu halten. Wieso wird dort dennoch weiter eine Windindustrieanlage geplant?

Die NI weist zudem im Bereich Eckmannshain auf einen Brutverdacht des Raubwürgers, einem etwa amselgroßen Singvogel, sowie auf ein Revier des Baumfalken hin. Der Errichtung der beiden Windkraftanlagen auf dem "Kopf" stehen ebenfalls zwei Reviere des Raubwürgers entgegen.

"Angesichts des dramatischen Rückgangs des Raubwürgers in Hessen zählt mittlerweile jedes einzelne Revier für den Erhalt der Art. Demzufolge ist ein sehr strenger Maßstab anzulegen, was die Gefährdung durch Lebensraumverlust und Störwirkungen betrifft, denn Raubwürger sind sehr standorttreu und territorial", verdeutlicht Dipl.-Biologin Dr. Christine Thiel-Bender, Naturschutzreferenten der NI.

Ein Ausgleich durch Aufwertung von Habitaten in 3 km Entfernung, wie im Verfahren vorgeschlagen, ist daher nicht geeignet, den Funktionsverlust der vorhandenen Habitate auszugleichen, denn der räumlich-funktionale Zusammenhang ist hierbei für diese Tierart nicht gegeben.

Neben den Schutzbedürfnissen von Vögeln, von Fledermausarten und der Haselmaus weist die NI auch auf mögliche Beeinträchtigungen von geschützten Landschaftsbestandteilen wie Quellen und Erlenbruchwäldern hin. Als besonders schwerwiegend sieht die NI die Errichtung der Windkraftanlage Nr. 3, nur 90 m Entfernung von einem Erlenbruchwald und den zugehörigen Quellen des Trockenauer Bachs.

"Selbst bei einer Flachgründung kommt das Fundament gemäß dem Baugrundgutachten bereits unterhalb des Grundwasserspiegels zu liegen. Bei einer Tiefengründung, die der Vorhabenträger vorsorglich beantragt hat, würde in den Grundwasserhaushalt sogar in eine Tiefe von bis zu
7,85 m unter Geländeoberkante eingegriffen", so Fachbeirat Rüdiger von dem Borne.

Das dann erforderliche Abpumpen von Grundwasser oder dessen Verunreinigung durch Baustoffe kann zu dauerhaften Veränderungen der quelltypischen Fauna und Flora führen und die sensiblen Biotope somit nachhaltig schädigen oder gar zerstören.

Weiter ist verwunderlich, dass ein Gutachten des Landesverbandes für Höhlen- und Karstforschung Hessen e.V. austretendes Quellwasser nahe der geplanten Anlage nachweisen konnte, während die Gutachter des Vorhabenträgers hingegen die Quellen in diesem Bereich einfach verneinen.

Der Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Hessen hat im Rahmen der Untersuchungen des Weiteren östlich der geplanten Windenergieanlage Nr. 4 im Kühnholz weitere wertvolle Quellen nachgewiesen, in welchen neben dem Alpenstrudelwurm sogar die äußerst seltene Rhönquellschnecke vorkommt.

"Diese kommt ausschließlich in der Rhön und im Vogelsberg vor. Die möglichen Beeinträchtigungen durch das Vorhaben sind nicht hinnehmbar, wurden durch den Vorhabenträger aber bislang überhaupt nicht untersucht. Wir fordern das Regierungspräsidium auf, den Antrag vollumfänglich abzulehnen", so Harry Neumann abschließend.

Die Naturschutzreferentin der NI, Dipl.-Biologin Dr. Christine Thiel-Bender sowie der Fachbeirat der NI, Rüdiger von dem Borne, werden am Donnerstag, dem 03.11.2016 den Belangen des Naturschutzes und auch des Landschaftsschutzes, welche die NI in ihrer umfangreichen Stellungnahme vorgebracht hat, im Rahmen des Erörterungstermins noch einmal Nachdruck verleihen.

Die Pressemitteilung hier als pdf: Nicht noch mehr Windkrafträder bei Ulrichstein