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20.03.2020 - PRESSEMITTEILUNG

Zum Internationalen Tag des Waldes am 21. März 2020: Umweltverband Naturschutzinitiative e.V. (NI) fordert 5 Schritte für naturnahe Wälder

Foto: Naturnaher Buchenmischwald mit Alt- und Totholz
 
Anlässlich des Internationalen Tag des Waldes am 21. März fordert die Naturschutzinitiative e.V. (NI) 5 Schritte für naturnahe Wälder.

Gerade in Zeiten des Artensterbens, dem Verlust an Lebensräumen und dem Klimawandel sind naturnahe Wälder dringender denn je. Umso unverständlicher ist es, dass die globale Waldvernichtung, vor allem in den Regenwäldern, gerade in den letzten Jahren neue Rekorde erreicht.

„Wir brauchen eine Kehrtwende, denn ohne diese bleiben sämtliche Anstrengungen zur CO2-Reduktion in Deutschland ohne Wirkung. Wir können aber nicht nur auf katastrophale Entwicklungen in anderen Regionen der Welt verweisen, sondern haben auch in Deutschland große Probleme im Erhalt von naturnahen und artenreichen Wäldern“, so Harry Neumann, Bundes- und Landesvorsitzender des Umweltverbandes Naturschutzinitiative e.V. (NI).

Die NI fordert, dass sich 10% der Wälder zu Urwäldern von morgen entwickeln können. Bislang wurde jedoch noch nicht einmal das Ziel der bundesweiten Biodiversitätsstrategie erreicht, bis 2020 5% der Wälder aus der Nutzung zu nehmen. Wie eine Studie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) aus 2019 zeigt, konnte sich der Wald auf nur 2,8% der Waldfläche natürlich entwickeln, eine sehr ernüchternde Bilanz, so die NI.

Das hierzulande vordringliche Problem zusammenbrechender Wirtschaftswälder durch Borkenkäferbefall der Fichte verführt dazu, die Ursache alleine dem Klimawandel zuzuschreiben. Dies ist wissenschaftlich nicht haltbar. Das Fichtensterben ist in erster Linie kein Waldproblem, sondern ein Forstproblem. Es besteht daher die Gefahr von falschen Schlussfolgerungen, was jetzt zu tun sei.

Die NI fordert daher:

  1. Schutz und Optimierung naturnaher Wälder, Ausweisung von Naturwäldern
  2. Keine Aufforstung mit Fremdbaumarten, Vorrang der Wiederbewaldung über natürliche Sukzession
  3. Schutz des natürlichen Wald-Innenklimas, der Böden und der Wasserretention
  4. Keine Windkraft im Wald
  5. Wald als großflächiges Ökosystem für alle Wildtiere schützen

In naturnahen und geschlossenen Wäldern sind Bäume überwiegend robust. Die NI fordert deshalb die Bewirtschaftung der Wälder vorwiegend an ökologischen Gesichtspunkten auszurichten. Ziel sind strukturreiche und gestufte Wälder aus heimischen, standorttypischen Baumarten mit hohem Alt- und Biotopbaumanteil. Douglasien, Küstentannen, Roteichen und andere nicht einheimische Baumarten haben hier grundsätzlich nichts zu suchen. Da naturnahe und alte Wälder eine mehrfach so hohe Strukturvielfalt und Biodiversität als Buchenwirtschaftswälder aufweisen, seien diese besonders zu fördern, so die NI.

„Großflächige und irreversible Bodenschäden über Verdichtungen mit schweren Harvestern und Rückegeräten, die jetzt zur Ernte des massenhaft anfallenden Fichtenholzes eingesetzt werden wie auch das verstärkte Pflanzen fremdländischer Baumarten aus vermeintlich passenden Klimazonen lehnen wir aus ökologischen Gründen ab. Daher sehen wir das Einbringen von europäisch-asiatischen Baumarten, wie es z.B. das Umweltministerium in Rheinland-Pfalz empfiehlt, sehr kritisch“, betonte Diplom-Biologe Immo Vollmer, Naturschutzreferent der NI.

Auch die zunehmende Industrialisierung der Wälder mit Windkraftanlagen öffnen die Bestände, stören das frisch-feuchte Waldinnenklima, zerstören und zerschneiden die Waldlebensräume, z.B. für die Europäische Wildkatze. Dazu wird der ökologische Artenverbund meist stark geschädigt, wobei die immensen Verluste an im Wald lebenden Vögeln und Fledermäusen besonders gravierend sind“, so Biologe Immo Vollmer.

„Dagegen ist der Wasserrückhalt im Wald zu erhöhen und die Folgen früherer Bestandsentwässerung zurückzubauen. Feuchtigkeit ist so lange wie möglich im Wald zu halten. So ist es wichtig, naturnahe mäandrierende Fließgewässer, naturnahe Stillgewässer, Moore und Bruchwälder und auch feuchte Staudenfluren in einer Waldumgebung zu fördern. Naturnahe Wälder und eine begleitende natürliche Gewässerlandschaft brauchen sich gegenseitig“, so Harry Neumann.

Foto: Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) ist auf alte, strukturreiche und ruhige  Wälder angewiesen.

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