25.03.2026 - Klartext

Die Brut- und Setzzeit hat begonnen!

Bild: Rolfes/DJV

Von Dr. Jörg BrauneisJörg Brauneis Dr. Jörg Brauneis ist Arzt, Ornithologe und Naturschützer und gehört dem Wissenschaftlichen Beirat der NI an.

An den ersten schönen Frühlingstagen zieht es viele Menschen hinaus in Wald und Flur, oft in Begleitung ihrer Hunde. Und auch die Vierbeiner freuen sich über die wärmenden Strahlen der Sonne, wenn die Natur wieder erwacht.

Mit den länger werdenden Tagen haben aber auch längst die ersten jungen WildtiereWildtiere Wir schützen Wildtiere! Unser ganzes Herz schlägt für den daseinsbedingten Schutz von Wildtieren. des Jahres das Licht der Welt erblickt. Das Frühjahr ist in der Natur die wichtigste Jahreszeit! Es ist die Zeit der Erneuerung, des Nachwuchses, der Reproduktion. Längst sitzen die Kolkraben, Uhus und Wanderfalken auf ihrem Gelege und werden dort nicht selten vom Schneetreiben später Wintereinbrüche überrascht.

Seit Anfang März schon drücken sich die ersten Junghasen in die Altgrasstreifen am Wegesrand. Bei den größeren Säugetieren sind es die Muffelschafe, die als erste Nachwuchs bekommen. Ab April schon folgen die Muffellämmer ihren Müttern auf zunächst noch unsicheren Läufen durch die WälderWälder Wir schützen Wälder! Wälder sind zumeist die naturnahesten Biotope und wertvolle, nicht ersetzbare Lebensräume für eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen. Wald ist mehr als nur Holz.. Dann im Mai werden die Rotwildkälber und die Rehkitze gesetzt. Auch die wehrhaften Wildschweinmütter, die Bachen, führen nach einem langen Winter längst die kleinen, gestreiften Frischlinge durch das Unterholz der Wälder und sind bereit, ihren Nachwuchs gegen jede Gefahr mit allen ihnen von der Natur gegeben Mitteln zu verteidigen.

Waldbesucher und Spaziergänger: Auf den Wegen bleiben

Im Frühjahr sind die Wildtiere besonders störungsempfindlich. Die Vegetation entwickelt sich gerade erst und die Tiere finden noch wenig Deckung im Wald und besonders auch in den Feldfluren. Gleichzeitig müssen die Tiere das Energiedefizit, das sich im Winter gebildet hat, durch intensive Nahrungsaufnahme ausgleichen.

Deshalb ist es besonders wichtig, dass Waldbesucher und Spaziergänger jetzt auf den Wegen bleiben und die Rückzugsräume der Wildtiere, wie Hecken, Feldgehölze und Aufforstungen, nicht betreten. Jungtiere, die scheinbar einsam und verlassen angetroffen werden, sollte man auf keinen Fall anfassen oder gar mitnehmen. Vielmehr sollte man sich vorsichtig zurückziehen und kann dann, aus sicherer Entfernung, mit dem Fernglas beobachten, wie sich die Tiermutter wieder ihres Nachwuchses annimmt.

Freilaufende Hunde außerhalb des Einwirkungsbereichs des Hundeführers können in dieser Zeit eine wirkliche Geißel für die Wildtiere sein! Besonders die siedlungsnahen Gemarkungsteile werden oft vom ersten Morgengrauen bis in die Abenddämmerung von zahlreichen Hundehaltern aufgesucht, die ihre Hunde dort oft frei laufen lassen. So passiert es nicht selten, dass unkontrolliert freilaufende Hunde Wild aufstöbern und hetzen. Vor allem die in den deckungsarmen Feldgemarkungen lebenden Rehe werden jetzt im Frühjahr ein leichtes Opfer von wildernden Hunden. Dabei werden oft trächtige Ricken (weibliche Rehe) von Hunden gerissen, da sie im Frühling, kurz vor der Geburt der Kitze stark in ihrer Fluchtfähigkeit beeinträchtigt sind. Leider kommt es auch immer wieder vor, dass die gehetzten Wildtiere in ihrer panischen Flucht vor den Hunden auf Straßen laufen und dort schwere Verkehrsunfälle verursachen.

Hunde an die Leine

Nach den Jagdgesetzen ist es verboten ist, Hunde und Katzen unbeaufsichtigt in Wald und Flur laufen zu lassen. Wenn ein Hund dann aber ein Wildtier tötet, kann ein Bußgeldverfahren gegen den Hundehalter eingeleitet werden. Außerdem kann der Jagdpächter von dem Hundebesitzer Schadensersatz für das getötete Wild verlangen. Soweit muss es aber nicht kommen! Außerdem folgt der wildernde Hund nur seinem natürlichen Jagdtrieb. Das Problem liegt also immer beim Hundehalter, nicht beim Hund! Leider aber zeigen sich einige Hundehalter auch nach mehrfachen Bitten, ihre Hunde besser zu beaufsichtigen, völlig uneinsichtig, und überschätzen ihre Möglichkeiten, auf den Hund einzuwirken.

Deshalb sollten Hunde in Feld und Wald während der Aufzuchtzeit des Jungwildes (Brut- und Setzzeit) vom 1. März bis zum 01. September unbedingt an der Leine geführt werden. Die Bundesländer und viele Gemeinden haben hierzu z.T. unterschiedliche Regelungen erlassen. Besonders in der Dämmerung sollten auch sonst gehorsame Hunde unbedingt angeleint sein.



Ansprechpartner:

Dr. Jörg Brauneis
Ornithologe

mehr über Jörg Brauneis
© Naturschutzinitiative e.V. (NI) | Wir schützen Landschaften, Wälder, Wildtiere und Lebensräume
Headline

here be text