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Unsere Forderungen an die Waldpolitik in Deutschland

Wald ist mehr als Holz

Knapp ein Drittel der Landesfläche Deutschlands ist bewaldet, dies entspricht ca. 11,4 Millionen Hektar. Die übrigen Teile des Landes werden als meist intensiv bewirtschaftete landwirtschaftliche Produktionsfläche (52%) und als Siedlungs- und Verkehrsflächen genutzt (13%). Aufgrund seiner Flächengröße und der noch häufig unzerschnittenen und infrastrukturell geringen Beeinflussung ist der Wald für den Arten-und Landschaftsschutz und für viele Gemeinwohlfunktionen von hohem Wert. Der Wald ist mehr als nur Holz – und Holz ist mehr als nur ein Rohstoff. Die zunehmende Holzmobilisierung sehen wir mit großer Sorge.

Wir handeln unredlich, wenn wir uns einerseits für den Schutz der Regenwälder in Brasilien einsetzen, aber andererseits dem Schutz unserer „Rotbuchen-Lebensgemeinschaften“ nicht die gleiche Bedeutung beimessen. Denn ein Viertel des natürlichen Verbreitungsgebietes der Rotbuche liegt in Deutschland. Ohne menschliche Einflussnahme wären ca. 70% unserer Landesfläche mit Buchen bedeckt.

In Deutschland wird mehr Holz verbrannt als stofflich genutzt. Nutzungsverzicht im Wald und die Bereitstellung von Rohholz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern müssen in einem ausgewogenen und naturschutzfachlich vertretbaren Verhältnis stehen. Wir setzen uns für einen nachhaltigeren Umgang mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen ein. Wir halten es für wichtig, dass wir wegkommen müssen von dem Gedanken des ständigen Wachstums. Wir setzen uns dafür ein, unsere Lebensstile zu überdenken und diese an die Grenzen unserer Ökosysteme und der natürlichen Lebensgrundlagen anzupassen. Wir setzen uns dafür ein, dass der Holz- und Papierverbrauch in Deutschland erheblich gesenkt wird.

 

Biologische Vielfalt sichern

Wälder als die naturnahesten Biotope sind wertvolle und nicht ersetzbare Lebensräume.

Wälder dienen der Sicherung der biologischen Vielfalt im Hinblick auf die Art und die Struktur der Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Neben der Erholungs- und Freizeitnutzung durch den Menschen erfüllen die Wälder wichtige Naturschutzaufgaben. Hierzu gehören unter anderem der Bodenschutz, der Schutz des Wasserhaushaltes und der Klimaschutz. Wälder sind wichtig für das Mikro- und Makroklima, dienen als Kohlenstoffspeicher und bilden einen wichtigen Lebensraum für eine Vielzahl an Pflanzen, Pilzen und Tieren.

In Deutschland existiert so gut wie keine Wildnis und finden sich keine Urwälder mehr. Nur rudimentäre Reste sind von den ehemals ursprünglichen Laubwäldern mit Buchen, Eichen, Ahornen, Eschen und Linden übrig geblieben. So ist der heutige Wald immer noch überwiegend jung und monoton anstatt strukturreich und altersgemischt mit wirklich alten Bäumen über 160 Jahren.

Vom Menschen unbeeinflusste Wälder mit alten Buchen und Eichen machen gerade einmal 2% der Waldfläche aus. Es sind aber gerade die „wilden“ Wälder, in denen die Artenvielfalt am höchsten ist. Wir fordern daher, mindestens 10% der Waldfläche aus der Nutzung zu nehmen, damit sich wieder Wildnis und „Urwälder von morgen“ entwickeln können. Mittelfristig fordern wir die Bundesländer auf, wie es in der Nationalen Biodiversitätsstrategie vorgesehen ist, 5% der Wälder aus der Nutzung zu nehmen und der natürlichen Entwicklung zu überlassen.

Privatwaldbesitzer sind – auch finanziell – zu unterstützen, wenn sie ihre Wälder dauerhaft in Naturwälder entwickeln und aus der Nutzung nehmen wollen. Dies erachten wir als eine öffentliche Gemeinwohlaufgabe.

Wir brauchen große zusammenhängende, mehrere Tausend Hektar umfassende unverbaute Waldgebiete, um den Wald als Ökosystem mit seiner Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern. Mindestens die Hälfte davon sind als „Biotop-Trittsteine“ von mindestens einem Hektar Größe auf die Waldflächen zu verteilen. 

Biotopverbund

Waldgebiete dienen zur Verbindung und Vernetzung von Lebensräumen. Sie sind wichtige Trittsteine für die Ausbreitung von Arten wie z.B. Wildkatze, Luchs und Wolf. Europa- und bundesweite Wanderkorridore sind von jeglicher Bebauung und großflächiger Erschließung freizuhalten. Wir lehnen daher auch den Bau von Windindustrieanlagen in Wäldern strikt ab.

Nachhaltig handeln

Der Umgang mit unseren Wäldern darf sich nicht an rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten orientieren. Die Natur muss die Grenzen bestimmen, innerhalb der wir wirtschaften dürfen. Nutzungsverzicht zur Erhöhung der Biodiversität in heimischen Wäldern darf nicht zu einer Erhöhung der Holzimporte aus anderen Regionen der Erde führen. Wir fordern daher auf 90% der Fläche eine ökologisch nachhaltige Waldwirtschaft. Oberstes Ziel einer naturnahen Waldbewirtschaftung ist daher der Lebensraumschutz. Er dient der Sicherung der biologischen Vielfalt im Hinblick auf die Art und die Struktur der Lebensräume für Tiere und Pflanzen.

Waldästhetik - Landschaftsprägende Waldgebiete – Keine Windenergie im Wald

Wälder sind ein hohes Gut und ein Wert an sich. Wälder, vor allem große zusammenhängende Waldgebiete, sind landschaftsprägende Elemente. Sie vermitteln den Menschen - auch unbewusst - wichtige Grundbedürfnisse: Schutz, Heimatgefühl und Identität. infrastrukturelle Eingriffe jeglicher Art (Siedlungen, Gewerbegebiete, Verkehrswege, bauliche Maßnahmen) verändern ihr prägendes und identitätsstiftendes Bild. Die Bevölkerung identifiziert sich mit „ihren“ Waldgebieten. Diese Landschaften müssen daher in ihrer Größe, Schönheit und Charakteristik erhalten bleiben und dürfen nicht überplant oder verbaut werden. Sie sind nicht nur wichtig für die Biologische Vielfalt und die Erholung, sondern auch für Inspiration und Spiritualität.

Der derzeitige Bau von Windindustrieanlagen im Wald ist der seit Jahrzehnten größte und verantwortungsloseste Eingriff in den Lebensraum Wald. Der Bau von Windindustrieanlagen in unseren Wäldern wird von uns strikt abgelehnt. Der Bau schädigt die Biodiversität, den Erholungswert und das Landschaftsbild. Er führt zu einem derzeit noch nicht absehbaren Biodiversitäts-Desaster (s. „Windenergie im Lebensraum Wald“, Richarz 2014, Martin Flade: „Von der Energiewende zum Biodiversitäts-Desaster“, Vogelwelt 2012). Der Bau von Windindustrieanlagen ist daher gesetzlich über alle Besitzarten hinweg ausnahmslos zu untersagen.

Forderungen an die Wald- und Forstwirtschaft

Neben der Bereitstellung des knappen Rohstoffes Holz gehört es daher für uns zu den wichtigen Aufgaben einer verantwortungsorientierten Forstwirtschaft, die vermehrten Ansprüche der Gesellschaft an den Wald (monetäre Bedürfnisse, Waldverbrauch für andere Nutzungsformen, gestiegener Freizeitbedarf, Gemeinwohlfunktionen) daraufhin zu überprüfen, ob diese mit den Naturschutzerfordernissen im Einklang stehen. Der Beratung der öffentlichen und privaten Waldbesitzer kommt hierbei eine wichtige Rolle zu.

Öffentliche Wälder sind vorbildlich und integrativ mit partiell-segregativen Strukturen zu bewirtschaften. Private Wälder sind im Sinne des Bundeswaldgesetzes, der Forstgesetze der Länder und unter Berücksichtigung des geltenden Naturschutzrechtes nachhaltig und anhand der „guten fachlichen Praxis“ zu bewirtschaften. Freiwillige, zusätzliche Leistungen privater Waldbesitzer für den Artenschutz und die Biodiversität sind in Form einer kostenfreien staatlichen Beratung und durch ausreichende Fördermittel zu unterstützen.

Wichtige Instrumente einer nachhaltigen Forstwirtschaft zu einer flächendeckenden und dauerhaften Erhöhung der Biodiversität sind:

  • Ausrichtung an der natürlichen potenziellen Vegetation und Schaffung differenzierter und laubholzreicher Waldstrukturen
  • Förderung der Naturverjüngung
  • Hohe Baumartenvielfalt und Mischbestände mit hohem Laubholzanteil
  • Anstreben hoher Baumalter und Vorräte, Schutz alter Bäume > 120 Jahre
  • Ausreichend Prozessschutzflächen
  • Belassen von starkem Totholz (mind. 30-50 m3 je Hektar) und Habitatbäumen
  • Dauerhafter Erhalt und gleichmäßige Verteilung von Biotopbäumen und kleineren Altholzinseln
  • Erhalt und Pflege von Sonderstandorten, z.B. Moore, Magerrasen, Zwergstrauchheiden, Blockhalden und Felsströme, stehende und fließende Kleingewässer
  • Schaffung und Erhaltung naturnaher Waldinnen- und Außenränder
  • Kein Einsatz von Pestiziden oder Rodendiziden
  • Keine flächige Düngung von Waldbeständen, Düngung nur als fachlich begründete Ausnahme
  • Maßvolle Erschließung großer Wälder, keine Übererschließung mit Rückegassen, Rückewegen und Forstraßen, Abstände der Rückegassen mind. 50 Meter, Rückbau nicht mehr benötigter Wege

Eine Erhöhung der Biodiversität führt zu einer großen Vielfalt an Ökosystemen, Lebensräumen und Landschaften sowie zu einer Steigerung des Artenspektrums. Nur so ist auch eine genetische Variabilität innerhalb der verschiedenen Arten gewährleistet.

Historische Waldnutzungsformen (Nieder- und Mittelwälder, Hutewälder) haben neben der kulturhistorischen Bedeutung einen besonderen Stellenwert für den Artenschutz und sind somit unbedingt zu erhalten.

Wie zahlreiche Metastudien belegen, reicht zum Schutz von Reliktarten sowie stark gefährdeter oder unmittelbar vor dem Aussterben bedrohter Arten auch eine „integrative Waldbewirtschaftung“ nicht aus. In allen öffentlichen Wäldern sind daher Hotspot-Kartierungen und ökologische Wertanalysen durchzuführen. Diese haben das Ziel, sehr artenreiche und besonders naturnahe Waldlebensräume mit einem Mindestalter ab ca.140 Jahren zu erfassen. Nach einer ökologischen Wertanalyse sind diese Flächen als Naturwaldreservate dauerhaft aus der Nutzung zu nehmen. Hierbei ist auf eine gleichmäßige räumliche Verteilung und auf eine engmaschige Biotopvernetzung der Reservate zur Migration und zum Genaustausch seltener, gefährdeter Arten Wert zu legen zu legen. Die Schaffung weitere Großschutzgebiete wie z.B. Nationalparke ist wünschenswert, jedoch für den Artenschutz und die Biologische Vielfalt nicht prioritär. Wir brauchen nachhaltigen Naturschutz auf der Fläche.

Die Umwandlung von öffentlichen Wäldern in bürgerlich-rechtliche Gesellschaftsformen oder den Verkauf von öffentlichen Wäldern lehnen wir strikt ab. Dies ist mit den Gemeinwohlfunktionen nicht vereinbar.