06.05.2026 - Pressemitteilung

Keine Windindustrie an den Rändern des Pfälzerwaldes!

Bild: Dr. Guido Pfalzer

Drei Investoren sind an die Gemeinde Enkenbach-Alsenborn (Kreis Kaiserslautern) herangetreten und planen, fünf Windindustrieanlagen in den gemeindeeigenen Wald zu bauen. Die Standorte liegen – bis auf einen – jeweils in einer Senke und laut Windatlas ist die Windhöffigkeit sehr grenzwertig (s. Anhang).

Ein angrenzender Pferdehof, dessen Weiden nur 400 m von den Anlagen entfernt sind, bangt um seine Existenz. Der Windpark grenzt noch dazu unmittelbar an das grenzüberschreitende Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. Als größtes weitgehend unzerschnittenes Waldgebiet Westeuropas ist es nach den Vorgaben der Weltnaturschutzorganisation UNESCO Ausschlussgebiet für die Windenergienutzung.

 

„Naturräumlich gehört die geplante Windindustriefläche zum Pfälzerwald, auch wenn sie knapp jenseits der Schutzgebietsgrenze liegt. Ähnlich ist die Situation in anderen Waldgebieten des Nördlichen Pfälzerwaldes, wo bereits drei Windindustrieparks mit mind. elf Windindustrieanlagen auf Waldstandorten verwirklicht wurden. Weitere sind in Planung. So frisst man sich langsam von den Rändern her in den Naturraum Pfälzerwald, einen der letzten noch weitgehend windkraftfreien Wälder, zu dessen vollständiger Öffnung für die Windindustrie noch viele Pläne aus den vergangenen Jahren in den Schubladen liegen“, erklärten Harry NeumannHarry Neumann Vorsitzender der Naturschutzinitiative e.V. (NI) , Landesvorsitzender und Dipl.- Biologe Dr. Guido Pfalzer, Länder- und Fachbeirat der NaturschutzinitiativeÜber die Naturschutzinitiative e.V. (NI) Die Naturschutzinitiative e.V. (NI) ist ein unabhängiger, gemeinnütziger und bundesweit anerkannter Naturschutzverband. e.V. (NI) im Pfälzerwald.

Der Gemeinderat von Enkenbach-Alsenborn sei im Übrigen geteilter Meinung, was den Windpark im eigenen Gemeindewald angehe, der von den Vertretern von Bündnis 90/die Grünen leidenschaftlich beworben werde. „Enkenbach-Alsenborn hat nur etwas mehr als 7000 Einwohner und der Bürgermeister weiß, dass ein solches Vorhaben nicht gegen die Bevölkerung durchsetzbar ist. Er lud deshalb die Ratsmitglieder und die Öffentlichkeit zu einer Waldbegehung ein, bei welcher der Gemeindeförster die geplanten Standorte mit jeweils 0,5 ha großen Rodungsflächen den etwa 120 Bürgern präsentierte“, so Dr. Guido Pfalzer.

„Im Ergebnis bleibt es befremdlich, wenn von forstlicher Seite erklärt wird, es sei in Ordnung, an allen fünf Standorten gesunden Mischwald mit zum Teil über 100jährigen Buchen für Windindustrieanlagen „opfern“ zu können. Bei der Angabe, dass dabei nur 0,5 Hektar je Standort (ein Fußballfeld) gerodet würden, verschweigt man, dass noch einmal etwa die gleiche Fläche für Transport-, Arbeits- und Montageflächen hinzukommt und über die gesamte Betriebszeit der Anlagen baumfrei gehalten werden muss. Damit ergeben sich für die geplanten fünf Windräder Rodungen in der Dimension von mindestens zehn Fußballfeldern, die den Gemeindeforst durchlöchern und aus einem bislang vitalen, unzerschnittenen Wald mit Kronenschluss ein Windindustriegebiet machen werden“, erklärte Dr. Guido Pfalzer.

„Biodiversitätsverlust, Wasserhaushaltsschäden und entgangene Klimaregulation wirken über Randeffekte bis weit außerhalb der gerodeten Flächen in die angrenzenden Bestände hinein und werden zu großflächigen Waldschäden führen, die dann reflexartig dem Klimawandel in die Schuhe geschoben werden. Noch haben die Alsenborner einen gesunden naturnahen Wald mit ungestörtem Waldinnenklima, der die Hitze- und Dürrejahre des letzten Jahrzehnts vollkommen unbeschadet überstanden hat. Die Entscheidungsträger im Gemeinderat haben es in der Hand, ob das so bleibt“, betonten Harry Neumann und Dr. Guido Pfalzer.

„Es ist im Übrigen kein Widerspruch, für Klimaschutz und regenerative Energien einzutreten und gleichzeitig gegen Windenergienutzung in WälderWälder Wir schützen Wälder! Wälder sind zumeist die naturnahesten Biotope und wertvolle, nicht ersetzbare Lebensräume für eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen. Wald ist mehr als nur Holz.n zu sein“, so Dr. Guido Pfalzer. „Es gibt naturverträglichere und nachhaltigere Wege, die Energiewende umzusetzen, ohne dabei unseren wichtigsten Verbündeten beim Klima-, Grundwasser-, Boden- und Artenschutz – den Wald mit allen seinen für uns (über)lebenswichtigen Funktionen – zu zerstören.“

Petition eines Alsenborner Bürgers

Heiko Bauer aus Enkenbach-Alsenborn hat eine Petition gegen den geplanten Windindustriepark bei Enkenbach-Alsenborn gestartet. Die Naturschutzinitiative e.V. (NI) ruft alle Bürger dazu auf, die Petition zu unterzeichnen:

Hier Petition unterschreiben
Bild: Geobasisinformationen der Vermessungs- und Katasterverwaltung RLP 2021
Bild: Dienstleistungszentrum des Bundes für Geoinformation und Geodäsie, Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität

Bild links:

Die roten Kreise auf dem Luftbild sind die von den Rotoren überstrichenen Flächen und die gelben Quadrate zeigen die von der Gemeinde präsentierten 0,5 ha Stellfläche je Anlage. Die transparent gelben Flächen sind die noch hinzukommenden Bereiche, die ebenfalls gerodet und für die gesamte Betriebszeit der Anlagen baumfrei gehalten werden müssen.

Der Verlauf der Zuwegung basiert nur auf Vermutungen. Die Flächendimensionen erscheinen aber realistisch, wenn man im Vergleich z.B. Luftbilder anderer Windindustrieparks im Wald heranzieht und die tatsächlich waldfreien Flächen nachmisst. Die grün unterlegte Fläche rechts ist das UNESCO Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen.


© Naturschutzinitiative e.V. (NI) | Wir schützen Landschaften, Wälder, Wildtiere und Lebensräume
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