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Biologische Vielfalt erhalten

Die Biologische Vielfalt ist das kunstvolle Netzwerk aller Pflanzen, Tiere und Lebensräume. Sie umfasst die Vielfalt der Lebensräume und Arten sowie die genetische Vielfalt innerhalb der Arten.

Daher setzen wir uns  insbesondere für den Schutz bedrohter Tierarten, die Erhaltung und Entwicklung von Lebensräumen für Menschen und Tiere samt einem tragfähigen Lebensraumverbund, die Förderung von Eigendynamik in der Natur und von sich neu entwickelnder Wildnis sowie den Schutz unserer Landschaften, des Landschaftsbildes sowie deren Ästhetik und Kulturgüter ein.

Die Biologische Vielfalt (Biodiversität) ist die Grundlage für unser Leben und liegt unserem Naturschutzverständnis zur „Bewahrung der Schöpfung“ substanziell zugrunde.

Was wir wissen

Das gesamte Leben auf der Erde ist durch eine unvorstellbare Komplexität und Vielfältigkeit charakterisiert. Als Grundlage jedes Lebewesens ist seine genetische Ausstattung anzusehen, die seine Morphologie, Physiologie und die Anpassung an seine Umwelt bestimmt. Durch Veränderungen im Erbgut werden durch die Evolution unterschiedliche Lebensformen (Mikroorganismen, Pflanzen, Pilze, Tiere) hervorgebracht, die spezifisch auf die vorhandenen Bedingungen in ihren Lebensräumen reagieren. Die Naturräume und die sie bewohnenden Lebensgemeinschaften bilden schließlich komplexe Ökosysteme, die sowohl kleinräumig (lokal, regional) als auch großräumig (global) miteinander in Verbindung stehen. Somit lassen sich unterschiedliche Organisationsebenen (genetische Vielfalt, Artenvielfalt, Vielfalt der Ökosysteme) benennen, deren vielfältige Ausprägungen in dem Begriff Biodiversität vereint werden.

Die biologische Ebene der Biodiversität wird weiterhin durch unbelebte Faktoren (z.B. Klima, Boden, Topographie) beeinflusst, wobei zwischen belebter und unbelebter Welt ebenfalls vielfältige Austauschprozesse und Stoffkreisläufe bestehen. Die Natur zeichnet sich durch eine große Dynamik aus, die global jedoch stabile Wechselwirkungen zulässt bzw. ermöglicht. Dies kommt dadurch zustande, dass  durch eine große Vielfalt ausreichend Spielräume für eine Reaktion auf Veränderungen bestehen.

Gesunde und natürliche Ökosysteme sind als Lebensgrundlage unersetzbar, da sie u.a. für die Verfügbarkeit von Nahrung und zur Bildung von sauberem Wasser und sauberer Luft essentiell sind. Die Filterfunktionen von unbeeinträchtigten Lebensräumen (Wälder, Moore, Gewässer) sind dabei von unermesslichem Wert. Derartige Lebensräume erreichen ihren Wert jedoch nur durch das Vorhandensein einer großen Artenvielfalt, die die Aufrechterhaltung der Stabilität gewährleistet. 

Zerstörung der Lebensräume

Die Naturzerstörung durch anthropogene Einflussnahme nimmt dagegen weltweit gravierende Ausmaße an, was mit einem drastischen Rückgang bzw. Verlust an biologischer Vielfalt einhergeht. Dadurch geraten Ökosysteme oder deren Teile aus dem Gleichgewicht und verlieren ihre Reaktionsfähigkeit gegenüber äußeren oder inneren Einflüssen.

Primäre Ursachen für diese Problematik sind die unmittelbare Zerstörung von Natur- und Lebensräumen durch Siedlungen und Infrastruktur, Nutzungsintensivierungen (z.B. Übernutzung, Pestizideinsatz), Nutzungsänderung (z.B. Grünlandumbruch) sowie dem  Ausbau alternativer Energieformen wie z.B. Windindustrieanlagen, Freiflächenphotovoltaik und Biogasanlagen. Der Klimawandel kann ebenfalls Einfluss auf die Biodiversität nehmen. Er ist jedoch als eine sekundäre Erscheinung zu betrachten, da er Folge des menschlichen Lebensstiles mit der Freisetzung von klimawirksamen Gasen sowie dem Verlust an natürlichen Lebensräumen ist.

Invasive Arten

Zusätzliche Beeinträchtigungen für einzelne Arten oder Ökosysteme entstehen weiterhin auch durch die Ansiedlung gebietsfremder Pflanzen- oder Tierarten. Das Einschleppen geschieht einerseits bewusst, andererseits aber auch unbewusst im Rahmen des globalisierten Handels.

Biologische Vielfalt schützt das Klima

Wird das Artensterben hauptsächlich durch den Klimawandel verursacht?
Die Hauptursachen für den Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland und Europa ist nicht der Klimawandel, sondern die Zerstörung der natürlichen Lebensräume, der hohe Flächenverbrauch, die Intensivierung und Düngung von landwirtschaftlichen Flächen, der Einsatz von Chemikalien und Pestiziden, die Fragmentierung und Zersiedelung der Landschaft. Giftige Chemikalien zerstören die Nahrungsgrundlagen: Pestizide und Insektizide reichern sich in den Nahrungsnetzen an und schädigen besonders diejenigen Arten, die am Ende der Nahrungsketten stehen.

Zunehmende Zerstörung der Biologischen Vielfalt durch alternative Energien

Es gibt keine Eingriffe ohne Auswirkungen. Dies gilt auch für den planlosen und zum großen Teil rücksichtslosen Ausbau alternativer Energieformen, die zunehmend zu einer großen Gefahr für die Biologische Vielfalt geworden sind. Die Ziele eines umfassenden Biodiversitätsschutzes kommen bei der sogenannten Energiewende zunehmend unter die Räder: Die Verwüstung der Agrarlandwirtschaft („Vermaisung“), verbunden mit dem dadurch  verstärkten Einsatz des Totalherbizides „Roundup“, hat zu einem dramatischen Rückgang von Wiesenbrütern und Feldvögeln geführt. Feldvögel können auf den neuen „Industrieanbauflächen“ nicht mehr leben. Fast die Hälfte der häufigsten Brutvogelarten befindet sich auf dem absteigenden Ast.

Die Intensivierung und Häufigkeit der Waldbaumfruktifikationen ist auf eine verstärkte forstliche Nutzung  (vermehrte Nutzung von Energieholz) zurückzuführen, was zu erheblichen negativen Auswirkungen auch bei den Waldvögeln geführt hat.

Eine Studie der Deutschen Wildtierstiftung kommt zu dem Ergebnis:

In manchen Bundesländern ist die Belastungsgrenze einzelner Arten bereits jetzt in Sicht, wenn nicht gar überschritten. Der Rotmilan etwa, eine global seltene Greifvogelart, für deren Erhalt Deutschland eine besonders hohe Verantwortung trägt, wird häufig Opfer von Kollisionen an Windenergieanlagen. An anderen Orten werden große, unzerschnittene Wälder für die Windenergie geöffnet. Der naturschutzfachlich unkontrollierte Ausbau der Windenergie gefährdet die Ziele des Arten- und Naturschutzes“ (Windenergie im Lebensraum Wald, Deutsche Wildtierstiftung/Richarz, 2014).

Die negativen Auswirkungen der Windenergie auf viele Arten haben eine Grenze erreicht, die naturschutzfachlich nicht mehr zu verantworten ist. Aus Studien wissen wir, dass die Kompensationsmöglichkeiten zum Erhalt von Populationen in zahlreichen Regionen längst überschritten sind (Schreiadler, Rotmilan, Schwarzstorch). Die Siedlungsdichte von Schwarzstörchen hat sich in einigen Gebieten nach dem Bau von Windindustrieanlagen erheblich verändert. So ging die Anzahl der Brutpaare nach dem Bau von 125 Anlagen im Vogelsberg (Hessen) von 14-15 Brutpaare auf 5 Brutpaare zurück. Dies entspricht einem Rückgang von 66% (Richarz 2014). In Niedersachsen wurde ein „Windpark“ von drei Schwarzstorchpaaren komplett gemieden (Sprötge & Handke 2006).

Im hessischen Helpershein zog ein Schwarzstorchpaar 2007 drei, von 2008–2011 jährlich vier Jungtiere auf. Nach sogenannten „beispielgebenden“ Ausgleichs- und Ablenkungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Errichtung von sieben Windindustrieanlagen in nur 1400 Meter Entfernung vom Brutplatz, ging der Bruterfolg 2012 und 2013 auf ein bis zwei Vögel zurück, 2014 war die Brut erfolglos, seit 2015 ist der Horst verwaist.

Die avifaunistsichen „Untersuchungen“ sind meist zu kleinräumig, betrachten lediglich Momentaufnahmen, „Untersuchungen“ finden in „zeitlicher Isolation“ statt, Langzeitwirkungen, Summations- und Kumulationswirkungen z.B. von Windindustrieanlagen, Biogasanlagen , Biomasse und Freiflächenfotovoltaik auf die Biodiversität werden nicht betrachtet.

„Funktionsraumanalysen“ vernachlässigen großräumige ökologische Zusammenhänge wie z.B. Kenntnisse zu Populationen, dynamischer Lebensraumnutzung der Vögel (z.B. Wechselhorste). Es gibt keine Untersuchungen zu Auswirkungen von Windindustrieanlagen auf Wildkatze und Luchs und andere nicht streng geschützte Arten. Die methodischen Standards und Fachkonventionen werden zumeist nicht eingehalten, es wird mit unzureichenden und veralteten Daten operiert, die Genehmigungsbehörden sind überfordert und überlastet und verfügen aufgrund fehlender Biologen und Ornithologen über zu wenige Fachkenntnisse.

Der sogenannte Klimaschutz und eine mit dem Natur- und Artenschutz nicht zu vereinbarende Energiepolitik sind als eine der Hauptgefahren für die Biologische Vielfalt anzusehen. Die Leistungen der Biodiversität für den Natur-, Arten- und Klimaschutz werden völlig ausgeblendet.

Der renommierte Dipl. Biologe und Ornithologe Dr. Martin Flade kommt in seinem Beitrag „Von der Energiewende zum Biodiversitäts-Desaster“ zu dem Ergebnis:

 „Insgesamt muss man das bittere Fazit ziehen, dass Auswirkungen des Klimawandels selbst auf die biologische Vielfalt bisher wenig nachweisbar, die Auswirkungen der Klima- und Energiepolitik dagegen dramatisch sind ... Die Folgen des .... übereilten Ausbaus erneuerbarer Energien für die Vögel sind immer dramatischer und machen die Einhaltung der von den EU-Regierungen formulierten Biodiversitätsziele inzwischen unmöglich. Unbesehen der Notwendigkeit eines effektiven Klimaschutzes .... entpuppt sich die Energiewende immer mehr als aktuell eine der größten Gefahren für den Schutz der ökologischen Vielfalt... Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes wird der Natur nicht nur bei uns, sondern auch in vielen Ländern der Dritten Welt gewaltiger Schaden zugefügt. ...Die New Green Economy‘ und ‚Grünes Wachstum‘ sind eine Sackgasse“.

Vogelwelt 133, Seite 149-158 (2012).

Bedrohte Vielfalt schützen

Das grundsätzliche Schutzziel muss daher sein, Natur und damit verbunden die Biodiversität dauerhaft zu erhalten. Dieses Ziel ist in seiner Einfachheit die unabdingbare Konsequenz, weil die Natur auf der Erde räumlich begrenzt ist und Verluste absolut betrachtet nicht ausgeglichen werden können. Vorrangig besteht die uneingeschränkte Notwendigkeit, natürliche und vom Menschen unbeeinflusste Ökosysteme großflächig zu erhalten.

Daneben ist zu berücksichtigen, dass auch in der genutzten Kulturlandschaft wertvolle Lebensräume vorhanden sein können, die vielen Arten Ersatzbiotope bieten. Die (landwirtschaftliche) Nutzung der Lebensräume muss dafür jedoch in extensiver Weise erfolgen, da eine Intensivierung zur Verdrängung der Vielfalt und zur Ausbildung von Monokulturen führt. Dies kann nur möglich sein, wenn ausreichend Freiflächen vorhanden sind und erhalten werden. Eine weitere Versiegelung durch den Flächenverlust würde zur Intensivierung der Nutzung an anderer Stelle führen. Zusätzlich müssen veränderte Lebensräume renaturiert werden, damit sie ökologische Funktionen wieder vollständig erfüllen können.

Für die Begegnung der gegenwärtigen Probleme wie Naturzerstörung, Verlust der Artenvielfalt und Klimawandel muss die menschliche Lebensweise dahingehend entwickelt werden, dass die Verwendung von natürlichen Ressourcen respekt- und maßvoll erfolgt. Nachhaltigkeit muss daher zukünftig oberste Priorität einnehmen. Eine echte Energiewende und wirklicher Klimaschutz sind daher nur mit einem verantwortungsvolleren Umgang mit den natürlichen Ressourcen, nachhaltiger Energieeinsparung (ohne Rebound Effekte) und der verantwortungsbewussten Veränderung unserer Lebensstile möglich.