NI widerspricht dem geforderten Kormoranabschuss an der Nister
Die
Naturschutzinitiative
Über die Naturschutzinitiative e.V. (NI) Die Naturschutzinitiative e.V. (NI) ist ein unabhängiger, gemeinnütziger und bundesweit anerkannter Naturschutzverband. e.V. (NI) widerspricht der Forderung der ARGE Nister nach einer extremen
Kormoran
Kormoran Wenige Vögel werden so kontrovers und auch emotional behandelt wie der Kormoran. Für Gewässernutzer ist es ein „böser schwarzer fischfressender Vogel“. reduktion. Auf einer 100 km²-Teststrecke an der Nister soll danach versucht werden, den Bestand des Kormorans soweit es geht jagdlich zu vernichten und zudem in allen Brutkolonien im Umkreis Brutversuche zu verhindern. Die ARGE verbindet damit die Hoffnung, dass sich nach einem Fortfall der Fisch-Beutegreifer die angeschlagene Gewässerqualität der Nister verbessern würde. Diese zeige sich besonders aufgrund von Nährstoffeinträgen in einem massierten Algenwachstum. Durch die Erbeutung von Fischen wie der Nase, die Algen abweiden, könne sich das Gewässer aus Sicht der ARGE Nister nicht regenerieren.
Alle Wirkfaktoren berücksichtigen
Die ARGE Nister zeigt damit eine verengte Sichtweise, die das Kernproblem der Gewässerverschmutzung durch Einträge aus der
Landwirtschaft
Landwirtschaft Böden als Kohlenstoffspeicher / Ökologischen Landbau weiter ausbauen und einem veralteten, nicht den Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie entsprechenden kommunalen Kanalisationssystem ausblendet. „Auch der verwendete Begriff ‚Fischräuber‘ wirft die Frage auf, wem in einem offenen, natürlichen Gewässerumfeld eigentlich etwas „geraubt“ wird“, erklärte Dipl.-Biologe
Immo Vollmer
Immo Vollmer Dipl.-Biologe und seit 2018 Naturschutzreferent der NI
, Naturschutzreferent der NI.
Gerade in diesem Fall sei eine Sichtweise erforderlich, die alle Wirkfaktoren und mehr Realitätsbewusstsein einschließe, so die NI.
Abschuss ist keine Lösung
Auch nach dem mit der Region Obere Nister sehr vertrauten Ornithologen und Mitglied der NI und der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie (GNOR) Wolfgang Burens wird mit der Fokussierung auf den Kormoran nur weiter wertvolle Zeit vergeudet, in der man besser die Kernprobleme der Gewässerverschmutzung angehen müsste.
„Der Vorschlag nach Bekämpfung der Brutkolonien ist sowohl gesetzeswidrig als auch substanzlos, da es im Einzugsbereich der Nister praktisch keine Brutkolonien gibt. Der andere Vorschlag, eine 100 km² große Totalreduktionszone zu schaffen, ist ebenfalls als undurchdacht abzulehnen, da sich der Kormoran im Westerwald nur zeitlich befristet aufhält oder an der Nister nur ausnahmsweise aus den über 30 km entfernten Brutkolonien am Rhein einfliegt“, betonte Biologe Immo Vollmer.
In einer 100 km² großen Abschusszone müsste man so lange Tiere erlegen, bis nach hunderttausenden Abschüssen die Population in Rheinland-Pfalz und letztendlich in Europa zusammengebrochen sei. In einem offenen System funktioniere diese einfache Denkweise „Schießen und das Problem ist vorbei“ leider nicht, so der Biologe. Auch werden im Bereich der ARGE Nister schon jetzt über Ausnahmegenehmigung so viele Kormorane geschossen, wie sonst nirgends im Land an einem vergleichbaren Gewässer (289 Abschüsse an Nister-Wied im Winter 2024/25 nach offiziellen Zahlen). „Da die Forderungen nach Abschüssen immer neue Dimensionen annehmen, muss schon daraus geschlossen werden, dass Abschüsse kein wirksames Mittel für den vorgegebenen Zweck sind“ so Biologe Vollmer. „Die jagdliche Reduktion beim Kormoran wirkt sich überwiegend kontraproduktiv aus. Das ist auch Ergebnis des offiziellen Kormoranmonitorings des Landesamtes für Umwelt und der GNOR. Bevor noch extremere Maßnahmen umgesetzt werden, die auch erhebliche rechtliche und moralische Probleme aufwerfen, muss man erst einmal belastbare Grunddaten schaffen“, so Wolfgang Burens. Gewässerabschnitte, die eine nachlassende Fischpopulation zeigen, würden von Fischjägern weniger aufgesucht. „Wir können entlang der Nister eher eine unterdurchschnittliche Kormorandichte im Vergleich zu ergiebigeren Gewässern erkennen“, so Wolfgang Burens. Es sei offen, wie viele Kormoranindividuen wiederholt den Bereich Nister zur Fischjagd aufsuchen und wie hoch tatsächlich der Fischbestand ist, so die beiden Experten.
Empfehlungen der NI (Infokasten)
- Verbesserung der Gewässerstrukturgüte. So kann der Anteil von Deckungsstrukturen im Wasser durch ein Mehr an Ufergehölzen und Sturzbäumen oder Inselbänken mit grobem Substrat verbessert werden.
- Breite Uferrandstreifen von mindestens 10 Meter (zu gedüngten Landwirtschaftsflächen 20 Meter) – zumindest aber die oft nicht gegebene Berücksichtigung des gesetzlichen 5m-Uferstreifens
- Gesetzliche Vorgaben mit abgestuften Möglichkeiten der Nährstoffeinbringung auf landwirtschaftlichen Flächen, je nach Nähe zu einem Gewässer
- Flächendeckende Einführung der Trennkanalisation, um Abschläge von Schmutzwasser aus dem Kanalsystem bei Starkregen in die Fließgewässer zu vermeiden
- Überprüfung und Ertüchtigung der Leistungsfähigkeit der teils veralteten und überlasteten Kläranlagen
- Förderung von mehr Wasser-Retention im Oberlauf (so durch Tolerierung von Biber-Staugewässern), da mit der längeren Verweildauer des Wassers auch eine biologische Wasserklärung verbunden ist