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24.11.2023

Vogelzug - Reise ins Ungewisse

Von Immo Vollmer

Der anstrengende Zug in teils unbekannte Gefilde bringt für ziehende Vögel vielerlei Gefahren, die für nicht wenige tödlich enden. Davon bleiben auch Kraniche nicht verschont.

Gefahr durch Windenergie

Der für die westlichen Mittelgebirge wichtige Rastplatz der „Westerwälder Seenplatte“ liegt nur unweit des großen Windenergiegebietes am „Hartenfelser Kopf“ mit 26 Anlagen. Ob es hier schon einmal zu Kollisionen mit den auch in den letzten Tagen hier rastenden und dann niedrig fliegenden Kranichen gekommen ist? Bundesweit wurden laut der Schlagopferdatei Brandenburg (*1 Stand August 2023) bereits 30 erschlagene Kraniche an WEA gemeldet.

Das ist zwar in Relation zum Gesamtbestand nicht populationsbedrohend, aber es ist eine Begleiterscheinung die zeigt, dass Strom aus Windkraft keine „saubere“ Technologie ist. Oft werden erforderliche Schutzabstände von WEA zu wichtigen Rastplätzen schon in der Planung mit dem Verweis auf den Vorrang der Windenergie missachtet. Zum Schutz des Vogelzugs fordert die NI bundeseinheitliche Regelungen zu WEA-Abschaltungen bei Massenzugtagen und bei Zugtagen mit schlechter Sicht. Zur Umsetzung dieser Forderung, die auch von vielen weiteren Experten vorgebracht wurde, waren aber weder die Politik noch die Windkraftindustrie bislang bereit.

Gefahr durch Flugverkehr

In der Bonner Region rasten schon mal Kraniche in der relativ offenen Wahner Heide und an den hier im Umfeld liegenden Weiher- und Teichgebieten. In solchen Situationen birgt der am Rande des Naturschutzgebietes (Vogelschutz- und FFH-Gebiet) „Wahner Heide“ liegende Flughafen „Köln-Bonn“ große Gefahren für niedergehende oder startende Vögel. Ein toter Kranich, den Dipl.-Biologe Immo Vollmer, Naturschutzreferent der NI, im März 2023 an den unweit vom Flughafen gelegenen Stallberger Teichen gefunden hatte, wies zahlreiche schwere Brüche auf. Unweit von diesem Kranich lagen zusätzlich die Reste eines zweiten Kranichs. Da die Stallberger Teiche unterhalb der südlichen Einflugschneise zum Flughafen Köln-Bonn liegen, ist anzunehmen, dass es eine Kollision im Luftraum war. Für den Flugbetrieb ist eine Kollision mit einem so großen Vogel eine riskante Situation. An einem Flughafen wie Köln-Bonn ist man deshalb nach Auskunft von Herrn Hopp, Leiter der Umweltabteilung des Flughafens permanent bemüht, Vögel aus dem Bereich des Flugfeldes zu vergrämen. Auch versucht man über Radartechniken größere Vogelschwärme zu erkennen. Dennoch kam es in 2023 im Bereich der nördlichen Einflugschneise bei Köln-Porz ebenfalls zu einer Kollision mit mehreren Kranichen, die ums Leben kamen. Dieses Ereignis habe aber keinen schweren Unfall im Flugbetrieb ausgelöst. Vogelschlag ist zwar mit ca. 5 Ereignissen pro 10000 Flügen ein eher seltenes Ereignis, aber pro Jahr kommt es doch 1-2 Mal vor, dass eine Kollision mit einem Mäusebussard oder einer Gans zu einer erneuten Landung einer zuvor gestarteten Maschine führt.

Toter Kranich vom März 2023 an den Stallberger Teichen unter der Einflugschneise des Flughafens Köln-Bonn. Foto: Immo Vollmer
 

Airbus Notwasserung auf dem Hudson River

Nach Information der Informationsplattform „Wikipedia“ verursacht Vogelschlag in der Luftfahrt jährlich einen Schaden von über einer Milliarde US-Dollar und gefährdet erheblich die Flugsicherheit. Bekanntestes Beispiel war die Notwasserung eines Airbus A320 auf dem Hudson River in New York nach Kollision mit Gänsen in 2009, bei dem aber alle Insassen überlebten. Abstürze mit Todesfällen scheinen sehr selten zu sein. Tragisches Beispiel ist aber der Tod des Sohnes des bekannten Tierfilmers Bernhard Grzimek, dessen Kleinflugzeug bei Dreharbeiten mit einem Gänsegeier zusammenstieß und abstürzte.

Kollisionen sind auch schon an Stromfreileitungen bekannt geworden, die gerade im Dunkeln oder bei Nebel schlecht erkennbar sind. Bei größeren Talquerungen werden zwar auffällige Markierungen an die Leitungen angebracht, was aber insgesamt zu wenig ist.

Natürliche Gefahren

Auch wenn die Kraniche äußerst vorsichtige Vögel sind und lieber nachts im kalten Flachwasser stehen als am Land, damit Fuchs oder andere Beutegreifer nicht zuschlagen können, kommen auch Verluste durch Beutegreifer bei der Rast an weniger geschützten Flächen vor.

Zugzeitbedingte große Ansammlungen von Vögeln bergen immer ein großes Risiko von Infektionen. Besonders stark wirkte sich in den letzten Jahren die Vogelgrippe aus, der auch in Deutschland tausende von Vögeln zum Opfer fielen. So war auch das bedeutende Rast- und Brutgebiet Wattenmeer zwischen 2020 und 2023 stark betroffen. Nach einem Bericht im Deutschlandfunk vom Januar 2022 (*2) und in „Riffreporter“ von Dezember 2021(*2) starben tausende Kraniche in den Feuchtgebieten des israelischen Hula-Tals. Dieses ist ein bedeutendes Rastgebiet auf der östlichen Zugroute von Europa nach Afrika.

Bei einer langen Reise ist auch Entkräftung ein Problem. So stand vor wenigen Tagen ein einsamer Kranich am Dreifelder Weiher, der seine Reisebegleiter wohl ziehen lassen musste. Da er nun auch weg ist, hat er sich wohl einem folgenden Trupp angeschlossen.

Wünschen wir also den „Vögeln des Glückes“ viel Glück dass sie im kommenden Februar-März wieder den Weg zurück finden!

Immo Vollmer ist Dipl.-Biologe und Naturschutzreferent der Naturschutzinitiative e.V. (NI)

 

Zitierte Quellen:

*1: Windkraft-Schlagopferkartei 

https://lfu.brandenburg.de/lfu/de/aufgaben/natur/artenschutz/vogelschutzwarte/arbeitsschwerpunkt-entwicklung-und-umsetzung-von-schutzstrategien/auswirkungen-von-windenergieanlagen-auf-voegel-und-fledermaeuse/

 

*2: Vogelgrippe Israel Kranichzug

https://www.riffreporter.de/de/umwelt/vogelgrippe-israel-kraniche-hula-tal

https://www.deutschlandfunk.de/vogelgrippe-kranichsterben-100.html

 

 

 

 

 

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