Schönheit für eine Nacht – Die Gemeine Nachtkerze

Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) in voller Blüte –

Von Dipl.-Biologe Immo VollmerImmo Vollmer Dipl.-Biologe und seit 2018 Naturschutzreferent der NI  

Die Öffnung der Blüte einer Nachtkerze ist nicht nur für Kinder ein faszinierendes Ereignis. Man kann zuschauen, wie sich in wenigen Minuten die Blüte entfaltet. Wenn die zuerst noch zusammenhängenden vier Kelchblätter an den Verbindungsstellen aufreißen, geht der Vorgang der Blütenöffnung rasend schnell. Ein Vorgang, der bei anderen Blütenpflanzen Stunden dauert.

Trockenkünstler aus Nordamerika

Die Nachtkerzen (Gattung Oenothera) sind im 17. Jahrhundert aus Nordamerika nach Europa gekommen und haben hier schon neue „Kleinarten“ entwickelt, die sich noch sehr ähnlich sind. Bei der hier gezeigten Gemeinen Nachtkerze (Oenothera biennis) handelt es sich somit streng genommen um eine Art aus einer Gruppe sehr ähnlicher Arten. Im Zeitraffer kann bei diesen Arten somit auch die Evolution studiert werden.

Sie besiedelt vor allem lockere und durchlässige Böden. Als Tiefwurzler kommt die Nachtkerze meist noch an feuchte Bodenschichten, wo die umgebende Krautschicht schon verwelkt. Deshalb haben diese PflanzenPflanzen Pflanzen sind ein wichtiger Teil der Biodiversität. Sie ist unsere Lebensgrundlage, aber mehr als nur Artenvielfalt. Ohne Pflanzen wäre ein Leben für uns Menschen auf der Erde nicht möglich. den letzten Trockensommer meistens unbeschadet überstanden und gehören jetzt im Spätsommer bis Frühherbst zu den wenigen noch blühenden Pflanzen.

Leuchtende Landebahn für Inskekten bei Nacht

Der untere Teil der Blüte ist nicht gelb gefärbt, sondern es ist eine grünliche Röhre, die die langen Staubblätter und den Griffel umgibt. In diesem steigt der oberhalb des darunter liegenden Fruchtknotens produzierte Nektar kapillar auf. Bestäuber sind v.a. langrüsselige Nachtfalter. Die der Blütenröhre aufsitzenden vier gelben Blütenblätter sind nachts deutlich zu erkennen. Sie haben eine hohe UV-Reflektion und einen starken, nur in den Nachtstunden verströmenden Duft. Am Nachmittag des folgenden Tages verfällt die Blüte bis sich in der nächsten Volldämmerung wieder neue Blüten entfalten.

Die Pfahlwurzel der jungen zweijährigen Pflanze kann wie eine Schwarzwurzel als Wurzelgemüse zubereitet werden.

Die Öffnung einer Nachtkerze in Bildern

Alle Fotos: Immo Vollmer


Ansprechpartner:

Immo Vollmer Dipl.-Biologe
Referent für Natur- und Artenschutz, Fachplanungen

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