26.06.2026 - Klartext

Flächenphotovoltaik zerstört die Landschaft

Bild: Dr. Jörg Brauneis

Werra-Meißner-Kreis, Hessen
Flächenphotovoltaik zerstört die Landschaft

Von Dr. Jörg BrauneisJörg Brauneis Dr. Jörg Brauneis ist Arzt, Ornithologe und Naturschützer und gehört dem Wissenschaftlichen Beirat der NI an.

In ihrer Sitzung am Abend des 15. Juni 2026 hat die Gemeindevertretung der Gemeinde Meißner im Werra-Meißner-Kreis mit nur zwei Gegenstimmen beschlossen, einen Bebauungsplan „Sondergebiet Photovoltaik mit Speicher Meißner“ für Solarparks in fünf Gemarkungen mit einer Gesamtfläche von 37 Hektar aufzustellen. Hier soll Flächenphotovoltaik auf ehemals als Wiesen und Feldern genutzten Flächen entstehen.

Die Gemeinde Meißner erhofft sich davon Einnahmen von bis zu 100.000 € jährlich aus der EEG – Vergütung und zusätzlich erhebliche Gewerbesteuereinnahmen in den nächsten 25 Jahren, wie die Werra-Rundschau in ihrer Ausgabe vom 17. Juni mitteilte.

37 Hektar Solarpark unmittelbar am Fuß des Hohen Meißners entwerten dauerhaft den wohl schönsten Fernblick Nordhessens

Für die Natur und das Landschaftsbild besonders schädlich ist der bei Vockerode geplante Solarpark von ca. 9,2 Hektar. Dieser Solarpark unmittelbar am Fuß des Hohen Meißners entwertet dauerhaft den wohl schönsten Fernblick Nordhessens. Vom dicht unterhalb des Meißnerplateaus auf mehr als 600 m Höhe gelegenen Aussichtspunkt am Schwalbenthal kann man über das Werratal, die Hessische Schweiz und das Eichsfeld nach Norden bis zum Harz und nach Osten bis weit in den Thüringer Wald schauen.

Hohen Meißner – König der Hessischen Berge

Das 754 m hohe, tafelbergartige Massiv des Hohen Meißners ist durch seine Alleinlage einer der dominantesten Berge Deutschlands. Er gilt als der König der Hessischen Berge und ist eng mit den Märchen der Gebrüder Grimm verbunden, die diese in dieser lieblichen Landschaft vor zweihundert Jahren gesammelt haben. Insbesondere die Figur der Frau Holle wird auf dem Meißner angesiedelt.

Darüber hinaus liegt der Solarpark Vockerode am Fuß des Meißners unmittelbar in der Nähe eines in Renaturierung befindlichen Wiesenmoors, und am Waldrand bei Vockerode fand sich noch vor wenigen Jahren einer der letzten Kreuzotternachweise im nordöstlichen Hessen.

Die NaturschutzinitiativeÜber die Naturschutzinitiative e.V. (NI) Die Naturschutzinitiative e.V. (NI) ist ein unabhängiger, gemeinnütziger und bundesweit anerkannter Naturschutzverband. e.V. (NI) hat auf dieses Vorhaben mit einem Leserbrief reagiert, der zusammen mit zwei weiteren kritischen Leserbriefen zu den Solargebieten am Meißner am 17. Juni in der Werra-Rundschau erschien (s.u.):

Solarparks auf ehemals landwirtschaftlichen Flächen bedeuten auch für die meisten Vogelarten einen nahezu vollständigen Lebensraumverlust.

Seit 2023 führt die Naturschutzinitiative am nur ca. 4,5 Hektar großen Solarpark bei Eschwege – Niederhone Brutvogelbestanderfassungen durch. Noch nie konnte innerhalb der Einzäunung des Parks eine Vogelbrut nachgewiesen werden, das Innere des Solarparks wird von Vögeln praktisch nicht genutzt. Dennoch rühmt sich dieser Park eines ausgezeichneten Biodiversitätskonzepts. Bei der letzten Brutvogelerfassung am 15. Juni 2026 wurde innerhalb der Anlage nur eine AmselAmsel Die Amsel ist scheinbar der typische Gartenvogel. Dennoch hat sich die Art erst innerhalb der letzten 200 Jahre die Siedlung als Lebensraum erschlossen, zuvor war sie ein reiner Waldvogel. auf einer Wegetrasse zwischen den PV-Modulen beobachtet.

Bild: Dr. Jörg Brauneis

Zu diesem Zeitpunkt war die Vegetation innerhalb des Zauns durch Schafe bereits abgefressen oder niedergetreten – mitten in der Brutzeit, was diese Fläche für die Vogelwelt weiter entwertet.

Dr. Jörg Brauneis ist Ornithologe und Länder- und Fachbeirat der Naturschutzinitiative e.V. (NI) in Hessen

Leserbrief: von Dr, Jörg Brauneis
Flächenphotovoltaik zerstört die Landschaft!

Es ist der Geburtsfehler, gleichsam die Erbsünde der erneuerbaren Energien, dass sie Natur und Landschaft in einem so flächendeckenden Maß zerstören, wie es auch von vergleichbaren industriellen Umbrüchen bisher kaum bekannt war. Das scheint ja bei der Windkraft technologiebedingt unvermeidbar, auch wenn man nur staunen kann, mit welcher gefühlten Sorglosigkeit hier sensible Waldlandschaften entwertet werden. Bei der Flächenphotovoltaik auf zuvor als Wiesen und Felder genutzten Grundstücken aber wird es grotesk. Selbstverständlich gäbe es große durch Industrie und Verkehr bereits in Anspruch genommene Flächen, wie z.B. Flachdächer und Parkplätze, die ohne weitere Beeinträchtigung für Natur und Landschaft für diese Technologie genutzt werden könnten. Hier aber zeigt sich die verbreitete Geringschätzung für Natur und Landschaft und die geringe Sensibilität für den Schutzwert von ackerfähigem Boden.

Solarparks bedeuten einen vollständigen Lebensraumverlust für alle Tiere

Solarparks bedeuten einen vollständigen Lebensraumverlust für alle Tiere, die größer als ein Fuchs sind, was in den meisten Planungen kaum einer Erwähnung wert gefunden wird. Die seit 2023 jährlich von der Naturschutzinitiative e.V. durchgeführten Brutvogelerfassungen am Solarpark Niederhone zeigen aber auch, dass dieser Solarpark praktisch nicht von Vögeln als Lebensraum genutzt werden kann. Natürlich vermag die Anlage von Hecken außerhalb der mit Solarmodulen überstellten Flächen dort Vögel anzusiedeln, aber das funktioniert natürlich auch bei jedem Atomkraftwerk. Diese „Ökopflaster“ kommen oft nicht über das hinaus, was manchmal geringschätzig als „Architektentrost“ bezeichnet wird.

Während die politisch Verantwortlichen in Festtagsreden gerne bereit sind, auf die Bedeutung des Schutzes von Natur und Landschaft nicht nur für die seelische Gesundheit der Menschen hinzuhinweisen, ist im täglichen Handeln nicht viel davon zu spüren.

So beabsichtigt die Gemeinde Meißner eine Fläche in der Größe von mehr als fünfzig Fußballfeldern in der wunderbaren Landschaft des Meißnerlandes – gleichsam dem Herzstück des Geo-Naturparks Frau-Holle-Land – durch Solarparks zu entwerten. Besonders betroffen ist die Gemarkung Vockerode direkt am Fuß des Hohen Meißners und auch wertvolle LebensräumeLebensräume Wir schützen Lebensräume! Bedrohte Vielfalt schützen und erhalten! des seit 1988 bestehenden Biotopverbunds Meißner scheinen nicht geschont zu werden.

Alles dies nur, weil es einem, offenbar jede Landschaftszerstörung rechtfertigenden Ziel dient und zwar, die Welt zu retten – gefühlt eine urdeutsche Aufgabe!“

Dr. Jörg Brauneis



Ansprechpartner:

Dr. Jörg Brauneis
Ornithologe

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