Nützliche Käferlarven im Kompost
Wer denkt, dass nur Regenwürmer im Komposthaufen für die Umwandlung von totem Pflanzenmaterial in Komposterde zuständig sind, irrt. Im Komposthaufen leben neben Regenwürmern enorm viele Tiere, Pflanzen, Bakterien und Pilze, die die Umwandlung in Humus bewirken. Je nach Zersetzungsgrad leben diese in unterschiedlichen Zonen. Beim Umschichten des Komposthaufens fallen oft sehr dicke Käferlarven (Engerlinge) auf. Häufig sind es Larven des schmucken Rosenkäfers, die eine Länge von 3-5 cm erreichen. Zahlreiche dieser Exemplare wurden auch vom Naturschutzreferenten der
Naturschutzinitiative
Über die Naturschutzinitiative e.V. (NI) Die Naturschutzinitiative e.V. (NI) ist ein unabhängiger, gemeinnütziger und bundesweit anerkannter Naturschutzverband. e.V. (NI),
Immo Vollmer
Immo Vollmer Dipl.-Biologe und seit 2018 Naturschutzreferent der NI
, in seinem Komposthaufen beobachtet.
In seinem Fall wurden in diesem Jahr um die 40 Larven in einem Eimer geborgen und in dem Komposthaufen vom letzten Jahr wieder in einer unteren Zone freigelassen (die Regeltechnik beim Kompostieren ist 2 Komposthaufen zu haben, wovon ein Jahr aufgeschichtet wird und ein weiteres Jahr der Haufen von den vielen Helferlein zu Blumenerde umgewandelt wird, im Anfang des 3. Jahrs, am Beginn der neuen Gartensaison wird dann die Komposterde entnommen).
Dipl.-Biologe Immo Vollmer beobachtet bei sich eine Zunahme dieser Larven, was wohl auch dem Trend entspricht. Früher kam der Rosenkäfer eher in den milderen Regionen Deutschlands vor. Er hat sich aber aufgrund wärmerer Temperaturen nun bundesweit verbreitet.
Größere Larven, bis zu 10 cm, gehören häufig zum Nashornkäfer, ein schon bizarr wie ein Urzeitdinosaurier aussehender Käfer. Beide Arten, Nashorn- und Rosenkäfer, gehören zur Familie der Blatthornkäfer, zu der auch andere mehr oder weniger bekannte und schmucke Arten, wie der Junikäfer oder Maikäfer gehören. Die Larven dieser Käferfamilie haben alle ein etwas ähnliches Aussehen und werden als „Engerlinge“ bezeichnet. Die Engerlinge von Mai- und Junikäfer finden sich nicht im Kompost, sie fressen an Pflanzenwurzeln, gerne von grasigen Arten, wo dann schon mal braune Flecken im Rasen erkennbar werden. Die Zeiten, in denen es noch gewaltige Massenvermehrungen dieser schönen Käfer gab und ein ganzes Volk aufgerufen wurde diese Tiere abzusammeln, sind in dem Zeitalter der maßlosen Ausbringung von Umweltgiften vorbei. Dass bereits über 70% der Insektenmasse zurückgegangen ist, ist auch eine schwere Hypothek für unsere Zukunft, denn jedes Insekt hat seine Rolle in der Natur und nur das intakte Netz an Interaktionen aller Wesen erzeugt Resilienz, also eine belastbare Umwelt. Viele nicht völlig erklärbare Umweltschäden, aber auch Krankheiten bei Mensch und Tier (z.B. Allergien) dürften derzeit schon auf das gestörte Gleichgewicht und eben auf eine nicht mehr resiliente Umwelt gehen. Artikel im Internet, die die Notwendigkeit einer (oft chemischen) Bekämpfung zum Inhalt haben, sind zu hinterfragen. In der Regel soll da etwas verkauft werden.
Das Auftreten von potenziellen Schädlingen der Kulturpflanzen – und das erst recht im Garten – erfordern nur selten ein Einschreiten und die Anwendung von Umweltgiften. Auch vermeintlich alternative Mittel wie Häutungshemmer sind (teils natürliche) Umweltgifte, die auf alle Insektenlarven undifferenziert wirken. Also freuen wir uns lieber über das, was im Garten noch lebt. Überlassen wir die Reduzierung der Käferlarven lieber den Vögeln. Für
Amsel
Amsel Die Amsel ist scheinbar der typische Gartenvogel. Dennoch hat sich die Art erst innerhalb der letzten 200 Jahre die Siedlung als Lebensraum erschlossen, zuvor war sie ein reiner Waldvogel. und Co. sind diese dicken Egerlinge echte Festmahlzeiten.
Auch im Gesetz finden sich Regelungen: Rosenkäfer, Nashornkäfer und die meisten Arten dieser Verwandtschaft (aber ohne Arten wie Mai- und Junikäfer) stehen unter besonderem Artenschutz. Es besteht daher vom Gesetz her ein Tötungsverbot, das auch für die Larven gilt. Deshalb sollten diese an geeigneter Stelle wieder ausgesetzt werden. In diesem Fall sind es zudem auch ausgesprochene Nützlinge.