Die großen und kleinen Reisen der Vögel
Eine Gruppe von Vogelfreunden traf sich zu einer Wanderung an der Westerwälder Seenplatte, um etwas über die vielfältigen Strategien der Vögel für den bevorstehenden Winter zu erfahren. Nach einer kurzen Einführung durch
Gabriele Neumann
Gabriele Neumann Stv. Vorsitzende der Naturschutzinitiative e.V. (NI), Projektleiterin Wildkatze und Karnivoren
vom Vorstand der
Naturschutzinitiative
Über die Naturschutzinitiative e.V. (NI) Die Naturschutzinitiative e.V. (NI) ist ein unabhängiger, gemeinnütziger und bundesweit anerkannter Naturschutzverband. e.V. (NI) erläuterte
Heide Bollen
Heide Bollen Ornithologin der NI
, Ornithologin der NI, anhand einiger Beispiele, dass prinzipiell alle Vögel ziehen. Bei Nahrungsknappheit oder sehr kalter Witterung weichen auch die sogenannten Standvögel in mildere Regionen aus, wie beispielsweise das Rheintal oder das Lahntal. So sind auch die
Amsel
Amsel Die Amsel ist scheinbar der typische Gartenvogel. Dennoch hat sich die Art erst innerhalb der letzten 200 Jahre die Siedlung als Lebensraum erschlossen, zuvor war sie ein reiner Waldvogel.n, die wir im Winter in unseren Gärten beobachten, nicht dieselben Tiere, die im Sommer dort nach Nahrung suchen.
Nur der
Eisvogel
Eisvogel Der Eisvogel ist ein Sinnbild für saubere und naturnahe Gewässer, in deren flacheren Bereichen Kleinfische von einem ufernahen Ansitz erspäht werden können. bleibt standhaft in seinem angestammten Revier, was bei längeren Frostperioden zu Bestandseinbrüchen von bis zu 90 % führen kann. Auf solche drastischen Verluste reagiert diese Art im darauffolgenden Frühjahr mit sogenannten Schachtelbruten, die den Bestand schnell stabilisieren.
Im Verlauf der Wanderung vorbei am Hofmannsweiher konnten die Teilnehmer zahlreiche Wasservögel beobachten. Mit Hilfe eines Spektivs ließen sich die Entenarten gut unterscheiden. Zahlreiche
Stockente
Stockente Durch ihr dem Menschen gegenüber zutraulichem Wesen (wenn sie in Parkgewässern nicht bejagt wird!) ist die Stockente jedermann bekannt.n, einige Tafelenten, Schnatterenten und Blässhühner ließen sich sehen, Zwergtaucher zeigten ihre Tauchkünste und Höckerschwäne zogen majestätisch über den See.
Heide Bollen erläuterte die überregionale Bedeutung der Westerwälder Seenplatte für den Vogelzug. An den Seen rasten zahlreiche Zugvögel und stärken sich am Nahrungsangebot für den Weiterflug. Bei speziellen Wetterlagen kann es vorkommen, dass hunderte
Kranich
Kranich Der Kranich - korrekt Grauer Kranich genannt - ist eine Vogelart, die uns sowohl auf dem Zug, der Balz und an seinen Rastplätzen eindrucksvolle Naturschauspiele liefert. In Mythen, Märchen, Dichtung und Kunst haben diese Vögel ihren festen Platz.e die Weiher als sicheren Übernachtungsplatz und Nahrungsquelle nutzen.
Die alten Bäume in der Umgebung der Weiher bieten vielen Vogelarten Lebensraum. So konnte Heide Bollen den Teilnehmern mehrere Spechthöhlen zeigen. Diese Baumhöhlen haben eine große Bedeutung für zahlreiche Nachnutzer wie Fledermäuse, Bilche und Käuze.
Auf der Wanderung wurden die Teilnehmer von den Warnrufen mehrerer
Eichelhäher
Eichelhäher Wegen seiner oftmals zu hörenden rätschenden Warnrufe ist der Eichelhäher einigen Menschen als „Polizist des Waldes“ bekannt. begleitet. Diese Vögel warnen mit ihrer lauten Stimme auch andere Vogelarten vor unliebsamen Besuchern im Wald. Die Winterstrategie der Eichelhäher besteht aus dem Anlegen von Futterdepots. Sie vergraben Eicheln und finden in der nahrungsarmen Zeit einen Großteil ihrer Depots wieder.
Die Strategie der Eichelhäher wird von Förstern bei der ökologischen Wiederbewaldung genutzt. In Bereichen mit abgestorbenen Fichten, die von Waldarbeitern nicht betreten werden können, werden Futterkästen mit regionalen Eicheln angebracht und die Eichelhäher vergraben diese als Wintervorrat auf der Fläche. Aus den Eicheln, die der Vogel nicht wiederfindet, können neue Bäume entstehen, die sogenannte „Hähersaat“.
Heide Bollen, frisch zurückgekehrt von der See- und Fischadlertagung in Recklinghausen, informierte ebenfalls über aktuelle Forschungsergebnisse zum Vogelzug. Mit Hilfe von extrem leichten Sendern, die an Vögeln befestigt und über Solarenergie versorgt werden, können die Zugrouten der Tiere sehr gut verfolgt werden. Auf den Flugrouten der Langstreckenzieher, zum Teil bis in den Süden Afrikas, lauern vielfältigen Gefahren. Dazu gehören die illegale Jagd sowie Lebensraumverlust durch Trockenlegung von Wattflächen und Bebauung.
Zu guter Letzt hatte Heide Bollen noch einige überraschende Rekorde des Vogelzuges mitgebracht. Zurück am Parkplatz hatten die Teilnehmer viele interessante Details erfahren und spannende Eindrücke rund um den Vogelzug gesammelt.
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