19.06.2026 - Neuigkeiten

Neue Rote Liste Brutvögel Rheinland-Pfalz zeigt erschreckende Zunahme an gefährdeten Arten

Ebenfalls steigend gefährdet – der Rothalstaucher – Bild: Wolfgang Burens

Im Februar 2026 wurde die 2025 überarbeitete Rote Liste der Brutvögel Rheinland-Pfalz veröffentlicht.

Das Ergebnis ist alarmierend. Auffällig ist ein sehr starker Zuwachs, gerade in den hohen Gefährdungskategorien. Bemerkenswert ist, dass es mehrere Vogelarten gibt, die vor 12 Jahren (RL 2014) noch als ungefährdet angesehen wurden, die nun in hohe RL-Kategorien eingestuft wurden. So wuchs die RL-Kategorie 1 (Vom Aussterben bedroht) von 26 auf 31, die Kat. 2 ( StarStar Der im Brutkleid prächtig schwärzlich glänzende Star erfreut mit seinem wunderbaren Gesangsvortrag wohl jedermann. Flügelschlagend variieren in schnellem Wechsel unterschiedliche Strophen, wobei auch Stimmen anderer Arten eingeflochten werden.k gefährdet) von 8 auf 21! und die Kat 3 (Gefährdet) von 12 auf 20 (Zuwächse zu 2014 von 19, 163 und 67 %).

Als gefährdet (inkl. Vorwarnliste, Kat. V) angesehen werden nun 108 von 174 Vogelarten. Damit sind nur noch 66 Vogelarten (38%) explizit als ungefährdet (Symbol *) angesehen. Im Jahr 2014 betrug der Anteil ungefährdeter Brutvogelarten noch 52 %.

Der Anteil gefährdeter Brutvogelarten liegt in Rheinland-Pfalz damit über dem bundesweiten Trend (Rote Liste Brutvögel Deutschland aus 2020) und zwar so, dass 23 % der Vögel in Rheinland-Pfalz höher als im Bundestrend gefährdet sind. Das Gefühl, dass in einem überwiegend ländlich geprägten Raum die Welt noch besser ist, darf damit wohl abgelegt werden.

Gewässer- und Feuchtgebietsarten sind überproportional von Gefährdungserhöhungen betroffen. So machten Schnatterente und Reiherente beide den Riesensprung von ungefährdet auf „Vom Aussterben bedroht“ (*-> 1!). Weiterhin stieg die Gefährdung bei Rothalstaucher (R->1), Wasserralle (3-> 2), Zwergtaucher (V ->2) Bläßhuhn (*->V), HaubentaucherHaubentaucher Namensgebend für den Haubentaucher ist eine rot- und schwarzbraun kontrastierte Halskrause aus besonderen Zierfedern. Diese können in den Situationen von Balz oder Bedrohung abgespreizt werden. (*->V); Uferschwalbe (*->2); Teichrohrsänger (*->3).

Einen auffälligen Anteil einer Gefährdungszunahme findet sich auch bei Arten die dem Wald zugeordnet sind, einem Lebensraum, der zuvor und auch derzeit noch den größten Anteil an ungefährdeten Arten aufweist (60%).

Eine Zunahme der Gefährdung im Wald betrifft besonders Arten, die an Nadelwald gebunden sind oder davon stark profitieren wie Tannenhäher (V->1), Rauhfußkauz (*->2); Alpenbirkenzeisig (*-1); Fichtenkreuzschnabel (*->V). Andere Arten dieser Habitatbindung wie Tannenmeise, Haubenmeise, Sommer- und Wintergoldhähnchen zeigen zwar fallende Bestände, aber ihnen wird derzeit noch keine Gefährdungskategorie zugeordnet.

Es sind aber auch Arten betroffen, bei denen der Zusammenhang mit schwindendem Nadelwald-Lebensraum so nicht besteht, wie z.B. bei Weidenmeise (*->2); Erlenzeisig (*->2); Grauspecht (V->2); Wespenbussard (V->2); Waldschnepfe (V->3); Fitislaubsänger (*->3); Trauerschnäpper (*->V).

Im Offenland, wo schon ohnehin der größte Anteil der Vogelarten (85%) gefährdet ist, ist eine weitere Zunahme der Gefährdungssituation zu beobachten.  So bei Feldschwirl (*->2); FeldsperlingFeldsperling Feldsperlinge werden immer weniger. Der Bestand weist langfristig einen kontinuierlichen und in den letzten Jahren nochmals einen besonders starken Rückgang auf. Da diese Art bei oberflächlicher Betrachtung meist nicht vom Haussperling unterschieden wird und früher zu den sehr[...]. (3->2); Schafstelze (*->3);  Sumpfrohrsänger (*->3); Wacholderdrossel (*->2); Blaukehlchen (*->2); GoldammerGoldammer Der Gesang der gelblich schimmernden Goldammer ist in Heckenlandschaften zu hören. Bis in den Spätsommer lässt die Goldammer immer noch ihre Stimme erklingen. (*->3); Schleiereule (V-1), Waldohreule (*->3), Kuckuck (V->3); Gelbspötter (2->1); ); Trauerschnäpper (*->V).

Weiter setzt sich auch der Trend zur Verschlechterung im Siedlungsraum fort. Hier mit MauerseglerMauersegler Der Mauersegler verkörpert die absolute Spezialisierung auf das Fliegen und ist ein absoluter „Speed-Junkie“. Er gleitet am Tag ebenso wie nachts durch die Lüfte ... (*->3 ) und Türkentaube (*->3).

Über die Ursachen der Gefährdungszunahmen kann in dieser knappen Übersicht nicht ausgeführt werden. Hier wird auf die Originalquelle verwiesen.

Rote Liste Vögel RLP im Internet:

https://lfu.rlp.de/fileadmin/lfu/Service/Publikationen/Naturschutz/Rote_Listen/Rote_Liste_Brutvoegel_-_Internet.pdf

https://lfu.rlp.de/startseitenbeitraege/2026/rote-liste-brutvoegel

 

Gedanken zum Thema Energiewende und Gefährdung der Arten

In der Roten Liste wird an verschiedenen Stellen ein Zusammenhang mit dem Klimawandel erwähnt. So bei den in Trockenjahren zusammengebrochenen Waldanteilen und den von klimatischen Extremen stark betroffenen Gewässerarten. Eine starke Gefährdung resultiert aber oft erst im Zusammenhang mit weiteren, anthropogenen Belastungen.

Weniger Beachtung scheint bei der Analyse der Gefährdungssituation der zusätzliche Flächenverbrauch und die Gefährdungsfaktoren durch Windkraft und Freiflächensolar zu finden. Während die technischen Maßnahmen zum „Klimaschutz“ sich im globalen Zusammenspiel – wenn überhaupt – nur auf den langfristigen Trend auswirken, hat die neue Bauflut in der bisher naturnahen Landschaft ein enormes Potenzial sich auf die kurzfristige Gefährdungssituation von Arten auszuwirken. Man täte also gut, den Artenschutz bei den „Klimatechnologien“ wieder stärker zu berücksichtigen, damit über den Gesamtprozess gesehen am Ende noch Arten zu schützen sind.

Eine Gefährdung durch Windkraft ist aber kein eigenes Thema in der Roten Liste. Um für diesen noch relativ neuen, aber bald flächendeckend wirkenden Gefährdungsfaktor belastbare Aussagen zu treffen, ist es vielleicht noch zu früh. Dennoch gibt es Hinweise, dass die derzeit bevorzugte Ausrichtung auf Waldstandorte sich auch bei der Zunahme der Gefährdung der an Wald gebundenen Arten auswirkt.

Bei den als windkraftsensibel angesehenen Arten steigt die Gefährdungseinstufung  bei Waldschnepfe (V->3), Wespenbussard (V->2); Baumfalke >(*-> D „Daten defizitär“); Wanderfalke (*->V).

Bei anderen Arten wie SchwarzstorchSchwarzstorch Der volkstümliche weiße Klapperstorch, der auch die Menschen über den Kindersegen glücklich macht, hat noch einen wenig bekannten schwarzen Bruder. Dieser Storch ist ein geheimnisvoller und scheuer Waldbewohner. (bleibt ungefährdet) sowie Rohrweihe und Wiesenweihe bleibt der Gefährdungsgrad unverändert. Allerdings wird ein die kommende Gefährdung beeinflussender Risikofaktor aufgeführt, wo auf „Verstärkte indirekte, konkret absehbare menschliche Einwirkungen“ hingewiesen wird (ist nicht auf Windkraft und Freiflächensolar begrenzt).

Auffällig ist die Herabstufung des RotmilanRotmilan Der Rotmilan ist der heimliche Wappenvogel Deutschlands, da hier mehr als die Hälfte des Gesamtbestandes vorkommen. Er ist nur in Europa zu finden, weshalb wir für den Erhalt dieser Art eine herausragende Verantwortung haben.s von der Vorwarnliste auf ungefährdet (V->*). Dieses wohl, weil es die Bestandszahlen derzeit noch hergeben. Dennoch fällt auf, dass hier der bei anderen ähnlich gefährdeten Greifen verwendete Risikofaktor „Verstärkte indirekte, konkret absehbare menschliche Einwirkungen“ nicht vergeben wird. Dieses wäre aber nach Auffassung der NI bezüglich der Windkraftnutzung und auch aus Entwicklungen der LandwirtschaftLandwirtschaft Böden als Kohlenstoffspeicher / Ökologischen Landbau weiter ausbauen und Flächenverbrauch eigentlich angemessen.

Ungefährdet (und ohne entsprechende Hinweise auf Risikofaktoren) bleiben Schwarzmilan, Mäusebussard und Uhu.

Auswertung: Dipl.-Biologe Immo VollmerImmo Vollmer Dipl.-Biologe und seit 2018 Naturschutzreferent der NI , Naturschutzreferent der NI



Ansprechpartner:

Immo Vollmer Dipl.-Biologe
Referent für Natur- und Artenschutz, Fachplanungen

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