Herbstgesang bei Vögeln

Hausrotschwanz

Von Dipl.-Biologe Immo VollmerImmo Vollmer Dipl.-Biologe und seit 2018 Naturschutzreferent der NI

Der Herbst ist bei den Zugvögeln eine Zwischenzeit zwischen dem noch hier Ausharren und dem Wegzug. Die Brutzeit ist schon lange vorbei und die nachbrutzeitliche Mauser ist zu einem hohen Teil schon abgeschlossen. Einige Arten, wie Watvögel, MauerseglerMauersegler Der Mauersegler verkörpert die absolute Spezialisierung auf das Fliegen und ist ein absoluter „Speed-Junkie“. Er gleitet am Tag ebenso wie nachts durch die Lüfte ... oder Störche sind zu einem hohen Teil schon weggezogen. In der Vogelwelt ist der Frühherbst eine eher stille Zeit. Dennoch hört man jetzt wieder Vogelgesänge, die zuletzt im Frühjahr zu hören waren. Auffällig singt derzeit wieder der HausrotschwanzHausrotschwanz Wenn es im Frühjahr über eine Stunde vor Sonnenaufgang draußen klingt, als wenn mit einer rostigen Heckenschere geschnitten wird, muss das nicht bedeuten, dass der Nachbar schon aktiv ist: Es könnte auch der Hausrotschwanz auf dem Giebel des Daches ..., aber auch der Zilpzalp.

Warum Vögel singen, die bald fortziehen, ist noch nicht ganz klar. Sind es Jungvögel, die schon mal für das nächste Jahr üben? Verteidigen einige Arten auch im Herbst Reviere, die dem Nahrungserwerb dienen oder wird in den letzten warmen und sonnigen Tagen noch so viel Hormone produziert, dass gesungen wird?

Einige Standvögel, die das ganze Jahr bei uns bleiben, wie das RotkehlchenRotkehlchen Das Rotkehlchen zeigt sich besonders zutraulich gegenüber Menschen und weist nur eine geringe Fluchtdistanz auf., verteidigen tatsächlich auch jetzt Nahrungsreviere. Das Rotkehlchen kann bei guten Tagen auch über den Winter singend vernommen werden. Bei den fast permanent singenden RingeltaubeRingeltaube Die Ringeltaube ist sicherlich vielen Menschen gut bekannt, optisch unterscheidet sie sich nämlich von den anderen hierzulande vorkommenden Taubenarten durch ein besonderes auffälliges Merkmal.n ist die lange Brutsaison noch nicht abgeschlossen. Bei weiteren, jetzt singenden Arten wie KohlmeiseKohlmeise In Siedlungen verbreitete, sehr ruffreudige Meise, deren Gesang schon kurz nach der Wintersonnenwende das neue Jahr einläutet. oder fast alle Eulenarten mag es auch daran liegen, dass vor dem Winter den „Kollegen“ nochmal deutlich mitgeteilt wird, dass dieses „mein Revier“ ist und dass die Konkurrenz sich davor hüten soll, sich hier im kommenden Frühjahr niederzulassen.

Auch wenn die Ursachen individuell verschieden sind und letztendlich ungeklärt, es macht Freude, ihnen auch im Herbst zuzuhören.


Ansprechpartner:

Immo Vollmer Dipl.-Biologe
Referent für Natur- und Artenschutz, Fachplanungen

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