Die Elster – ein intelligenter Rabenvogel
Ein nach Auffassung der Naturschutzinitiative e.V. (NI) besonders interessanter Vogel unserer Heimat hat schon vor einigen Wochen damit begonnen, in seinem Revier ein großes Nest weit sichtbar in die Bäume zu bauen – die Elster. Oft werden auch mehrere Nester gebaut, um dann ab Anfang April ein als sicher erachtetes Nest als Brutplatz zu nutzen. Schon seit langer Zeit hat die zuvor mehr im Offenland anzutreffende Elster die Siedlungen als Lebensraum besetzt. Hier wird die Art nicht bejagt und das Nahrungsangebot ist meist reichhaltiger als in der inzwischen leider ziemlich monotonen Feldflur.
Nicht jeder Grundstückseigentümer – auch wenn er sich als Vogelfreund bezeichnet, ist aber über eine Ansiedlung der schwarz-weißen Vögel erfreut. Denn Elstern haben bei vielen Menschen einen schlechten Ruf. Sie würden alle Nester von anderen Vögeln plündern, so dass die Vogelwelt im Garten verarme. Ist dem wirklich so – oder was ist da dran?
Ohne Zweifel erbeuten Elstern Eier und auch Nestlinge anderer Arten in der Zeit, in der sie ihre eigenen Jungen versorgen und für die Aufzucht proteinreiche Nahrung benötigen. Aber diese Art der Nahrung nutzen auch
Eichelhäher
Eichelhäher Wegen seiner oftmals zu hörenden rätschenden Warnrufe ist der Eichelhäher einigen Menschen als „Polizist des Waldes“ bekannt., Eichhörnchen, alle Marderartigen oder auch der Waschbär. Hinzu kommen auch noch die Verluste durch Katzen und Greifvögel nach dem Ausfliegen der Jungvögel.
Ist die Elster ein herausragender Bösewicht?
Dipl.-Biologe
Immo Vollmer
Immo Vollmer Dipl.-Biologe und seit 2018 Naturschutzreferent der NI
, Naturschutzreferent der NI, sagt dazu: „Elstern dezimieren nicht die Singvogelpopulation. Alle langfristigen Flächenuntersuchungen zeigen, dass die Singvogeldichte auch bei einer größeren Elsternpopulation nicht sinkt.“ Gerade in den Siedlungen mit einer hohen Elsternpopulation gibt es oft die höchsten Singvogeldichten. Singvögel sind den Elstern auch nicht schutzlos ausgeliefert, sondern haben sich im Laufe der Evolution an den Feinddruck angepasst. So sind die Meisen oder Spatzen dazu übergegangen, in Höhlen zu brüten, wo ihre Brut schlecht erreichbar ist. Viele Singvögel unserer Gärten, besonders die
Amsel
Amsel Die Amsel ist scheinbar der typische Gartenvogel. Dennoch hat sich die Art erst innerhalb der letzten 200 Jahre die Siedlung als Lebensraum erschlossen, zuvor war sie ein reiner Waldvogel.n, strecken ihre Brutzeit deutlich weiter ins Jahr hinein als es die Nesträuber tun. Sie haben Bruterfolge, wenn der Feinddruck wieder geringer ist.
Elstern sind Allesfresser und ernähren ihre Jungen nur zu einem kleineren Anteil von Jungvögeln. Die Hauptnahrung sind Würmer und Großinsekten, die meist auf kurz gehaltenen Rasenflächen gesucht werden. Auch Elstern bekommen ihre Jungen oft nicht hoch. Die Elstern stehen wegen ihrem ähnlichen Nahrungsspektrum in Konkurrenz mit
Rabenkrähe
Rabenkrähe Vielleicht ist keine Vogelart so menschenähnlich wie die Rabenkrähe. Sie ist intelligent, sehr sozial, aber auch sehr individuell ausgeprägt. Von einer recht differenzierten akustischen Kommunikation kann ausgegangen werden.n. Gut die Hälfte der Brutverluste der Elster geht auf Kosten der Rabenkrähe, die häufig Elsternester samt Brut plündern, um einen Konkurrenten loszuwerden. „Das ist nebenbei auch der Grund, warum ein Elsternest im Gegensatz zum Nest der Rabenkrähe nach oben hin mit Reisern abgedeckt ist und damit wie eine Kugel aussieht“, weiß Biologe Immo Vollmer. Diese Bauweise ist ein Schutz gegen Rabenkrähen und Greifvögel. Doch auch Marder und Waschbären, die gute Kletterer sind, stellen eine Gefahr für die Elsternaufzucht dar.
Hauskatzen – ein großes Problem aufgrund hoher Dichte
In der Natur wird jede Nahrungsquelle irgendwie genutzt. Der Tod eines Beutetieres zur Ernährung ist ein natürlicher Vorgang und somit zu tolerieren. Sonst hätten Greifvögel auch keine Existenzberechtigung. Nach Ansicht des Biologen Vollmer ist eher die Hauskatzendichte in den Siedlungsbereichen ein Problem. Die Verluste durch Katzen übersteigen dort die der anderen Beutegreifer meist deutlich. In Deutschland leben ca. 13 Millionen Katzen, verteilt auf etwa 8 Millionen Halter. Diese 13 Mio. Katzen töten nach Schätzungen alleine in Deutschland bis zu 200 Millionen Vögel – meist ohne, dass es dem Nahrungserwerb dient. In der Natur besetzen Beutegreifer von der Größe einer Katze große Reviere. Bei der
Wildkatze
Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) Die Europäische Wildkatze ist eine der seltensten einheimischen Säugetierarten und durch internationale Abkommen streng geschützt. (die im Gegensatz zur Hauskatze kaum Vögel schlägt), sind Streifgebiete von 3-8 km² (bei weiblichen Wildkatzen) und 15-30 km² (bei Kudern, männlichen Hauskatzen) normal. Verluste von Beutetieren haben da keine Auswirkung auf deren Population.
Aber auch die Hauskatzen sind Teil des städtischen Lebensraums, so die
Naturschutzinitiative
Über die Naturschutzinitiative e.V. (NI) Die Naturschutzinitiative e.V. (NI) ist ein unabhängiger, gemeinnütziger und bundesweit anerkannter Naturschutzverband. e.V. (NI). Vogelfreunden sei daher geraten, sichere Nistkästen oder sichere Futterstellen bereitzustellen, um Jagderfolge möglichst zu verhindern.
Im näheren Wohnumfeld des Biologen Immo Vollmer brüten u.a. Elstern und Meisen – beide oft erfolgreich. In den letzten zwei Jahren sind jedoch am Ende der Brutphase die Jungen der
Kohlmeise
Kohlmeise In Siedlungen verbreitete, sehr ruffreudige Meise, deren Gesang schon kurz nach der Wintersonnenwende das neue Jahr einläutet. verhungert, weil am Ende der Brutzeit ein Elterntier ausfiel. Schuld waren nicht die Elstern, denn diese erbeuten keine Altvögel.
Interessante Beobachtungen möglich
Rabenvögel wie die Elster haben ein sehr interessantes und großes Verhaltensspektrum, das bei eingehender Beobachtung fasziniert. Elstern sind reaktionsschnell und haben eine hohe Auffassungsgabe. Brütet mal eine Elster in Hausnähe sind interessante Beobachtungen möglich.
Mit ihrem langen Schwanz haben Elstern einen extrem wendigen Flug. So konnte Naturschutzreferent Immo Vollmer ein Elsternpaar beobachten, dass versuchte eine Katze zu vergrämen, die sich zu nahe an deren Horstbaum aufhielt. Während eine Elster die Katze von vorne neckte, versuchte die andere Elster der Katze von hinten in den Schwanz zu kneifen. Schoss die Katze aber auf eine der Elstern zu, machte diese einen riesigen Salto in die Luft und landeten wieder wenige Meter daneben und das Ärgern der Katze ging weiter.
Im Garten, in Siedlungsbereichen wie auch außerhalb der Städte und Dörfer wird die Natur in jedem Jahr etwas anders sein, mit neuen interessanten Beobachtungen. Diese sind besonders reichhaltig, wenn man sich wertfrei auf sie einlässt.
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Die Biodiversitätskrise
Was kann jeder einzelne von uns, was kann jede Stadt und jede Gemeinde zur Erhaltung unserer Lebensgrundlage selbst tun? Machen Sie sich gemeinsam mit uns auf den Weg zu „Mehr Biodiversität wagen“.
Kirche und Biodiversität – Verantwortung für die Schöpfung
Die Sonderbroschüre der NI enthält zahlreiche praktische Tipps und Anregungen, wie die Biodiversität in und an den kirchlichen Bauwerken, in Pfarrgärten, auf Friedhöfen und Pachtflächen im Kirchenbesitz gefördert werden kann.
Biodiversität und Arten als unsere Lebensversicherung
„Der Mensch ist längst zum entscheidenden Evolutionsfaktor geworden“, so Prof. Dr. Matthias Glaubrecht in der Fachpublikation „Biodiversität und Arten als unsere Lebensversicherung“, die die NI anlässlich des Tages der Artenvielfalt veröffentlicht hat.
Mehr Naturschutz wagen! Biodiversität schützen!
In einem 16-seitigen Papier an alle Bundestagsabgeordneten und die Verhandlungsführer aus SPD, B90/Die Grünen und FDP fordert die NI mehr Einsatz für den Schutz der Natur und der Biodiversität.
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