Windindustriepark Bellingen: Zerstörerischste Planung im Westerwald
Zerstörerischste Planung im Westerwald nahe der Westerwälder Seenplatte
Natur- und Vogelschutzgebiete stark betroffen
Die Firma Futura Immobilien- u. Projektierungs AG & Co. KG aus Koblenz hat bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD Nord) die Genehmigung für neun Windindustrieanlagen (WIA) in den Gemarkungen der Gemeinden Bellingen, Rothenhain, Langenhahn beantragt.
Der Windpark soll in einem naturschutzfachlich äußerst bedeutenden Umfeld von zwei Vogelschutzgebieten, einem FFH-Gebiet und drei Naturschutzgebieten errichtet werden.
Ferner betrifft das Vorhaben Restriktionsflächen, wo entsprechend eines Fachbeitrags des Landesamtes für Umwelt (LfU, 2023) Windkraft auszuschließen oder nach Möglichkeit zu vermeiden ist.
Erhebliche Beeinträchtigung des Vogelschutzgebietes
„Wir sehen in dieser Umgebung eine erhebliche Beeinträchtigung einer Kernfläche des Vogelschutzgebietes „Westerwald“, die nicht zulässig ist. 12 von 18 zur EU gemeldeten Zielarten zuzüglich des neu hinzu gekommenen Weißstorchs haben in dem durch Windkraft überplanten Bereich maßgebliche Vorkommen“, erklärten
Harry Neumann
Harry Neumann Vorsitzender der Naturschutzinitiative e.V. (NI)
, Landesvorsitzender der
Naturschutzinitiative
Über die Naturschutzinitiative e.V. (NI) Die Naturschutzinitiative e.V. (NI) ist ein unabhängiger, gemeinnütziger und bundesweit anerkannter Naturschutzverband. e.V. (NI) und Diplom-Biologe
Immo Vollmer
Immo Vollmer Dipl.-Biologe und seit 2018 Naturschutzreferent der NI
, Naturschutzreferent der NI.
Die Naturschutzinitiative e.V. (NI) sieht dabei erheblichen Flächen- und Funktionsverluste an nutzbaren Habitaten für die in den Schutzgebieten zu schützenden Arten. Bei störsensiblen Arten wären ferner Meidungsreaktionen zu erwarten, die auch zur Aufgabe von Niststätten führen können. „So eine Gefahr sehen wir beispielsweise für den
Schwarzstorch
Schwarzstorch Der volkstümliche weiße Klapperstorch, der auch die Menschen über den Kindersegen glücklich macht, hat noch einen wenig bekannten schwarzen Bruder. Dieser Storch ist ein geheimnisvoller und scheuer Waldbewohner. , zahlreiche Wiesenvogelarten oder geschützte Fledermaus- und Spechtarten, die die nahen
Wälder
Wälder Wir schützen Wälder! Wälder sind zumeist die naturnahesten Biotope und wertvolle, nicht ersetzbare Lebensräume für eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen. Wald ist mehr als nur Holz. bewohnen“, ergänzt Naturschutzreferent Immo Vollmer.
Hohe Totschlaggefahr im Vogelschutzgebiet
„Der Betrieb des Windparks bedeutet für alle zu schützenden Arten eine mehr oder weniger hohe Totschlaggefahr, was in einem Vogelschutzgebiet nicht zu akzeptieren ist. Eine besondere Schlaggefahr sehen wir für die im Umfeld brütenden Arten Wespenbussard, Baumfalke,
Rotmilan
Rotmilan Der Rotmilan ist der heimliche Wappenvogel Deutschlands, da hier mehr als die Hälfte des Gesamtbestandes vorkommen. Er ist nur in Europa zu finden, weshalb wir für den Erhalt dieser Art eine herausragende Verantwortung haben., Uhu sowie zahlreichen Fledermausarten“, so die Verbandsvertreter.
„Das hier von Windindustrieanlagen umstellte Naturschutzgebiet „Quellgebiet Enspeler Bach“ weist für die in der Region extrem gefährdete Wiesenvogelfauna ein Kernvorkommen auf, was gleichermaßen bedeutsam für das überlagernde Vogelschutzgebiet ist. Neben den bereits genannten Arten gibt es noch einen guten Bestand an
Neuntöter
Neuntöter Neuntöter, auch Rotrückenwürger genannt, hört sich eher nach einem Bösewicht als nach einem schutzbedürftigen kleinen Vogel an.n,
Goldammer
Goldammer Der Gesang der gelblich schimmernden Goldammer ist in Heckenlandschaften zu hören. Bis in den Spätsommer lässt die Goldammer immer noch ihre Stimme erklingen.n,
Feldlerche
Feldlerche Vielen Menschen sind schon Feldlandschaften unbekannt, über denen das „Tirillieren“ vieler Feldlerchen eine besondere Stimmung erzeugt, die schon Komponisten und Literaten beeinflusste. n und Sumpfrohrsängern. Es ist eines der letzten Gebiete im Oberwesterwald, in dem noch
Braunkehlchen
Braunkehlchen Die stark im Bestand zurückgegangene Art fällt in seinem Wiesenhabitat nicht besonders auf. und
Wiesenpieper
Wiesenpieper Der Wiesenpieper ist ein Brutvogel der feuchteren Heide- und Moorlandschaften mit Ansitzwarten (z.B. Sträucher und Zaunpfähle), auf denen er sich gerne niederlässt. brüten“, ergänzt Diplom-Biologe Immo Vollmer.
Zerstörerischster Eingriff im Westerwald
„Wachteln und Wachtelkönig brüten nicht in jedem Jahr mehr und der heute vom Aussterben bedrohte ehemalige Brutvogel Raubwürger findet sich noch als Wintergast. Weiterhin sind die Bellinger Viehweiden bekannt für ihren Orchideen- und Schmetterlingsreichtum. Diese Planung gehört zu den zerstörerischsten Eingriffen, die wir im Westerwald kennen“, betont Vogelexperte und Gebietskenner Wolfgang Burens als Mitglied der Naturschutzinitiative e.V. (NI) und der Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (GNOR).
Erhebliche Verschlechterung dieses Schutzgebietes
Die völlige Umzingelung des Bereiches durch WIA und die zu erwartenden Standortveränderungen wird nach Überzeugung der NI zu erheblichen Verschlechterungen dieses Schutzgebietes führen.
Völlig unverständlich ist nach Überzeugung der Verbandsvertreter der Bau von WIA in den nach dem „Fachbeitrag Artenschutz“ des Landesamtes für Umwelt dargestellten Ausschlusszonen für Zielarten unserer Vogelschutz- und FFH-Gebiete. Das gleiche gelte für die in der Landesplanung dargestellten Kerngebiete für den Rotmilan und den ebenso herausgestellten Bereichen von Fledermaus-Lebensräumen, die dort vor der Inanspruchnahme durch WIA zu schützen seien.
Unverantwortlicher Planungswildwuchs und Planungswillkür
Harry Neumann, Landes- und Bundesvorsitzender der NI beklagt in besonderem Maße den derzeitigen Planungswildwuchs. „Während das Land über ein Fachbeitrag des Landesamtes für Umwelt Rheinland-Pfalz (LfU) für die laufende Fortschreibung der Regionalen Raumordnungspläne eine Kulisse entwickelte, wo einerseits der Erhalt windkraft-empfindlicher Arten Vorrang haben soll und im Gegenzug wo woanders Windkraft einen Vorrang haben soll, hält sich die Planung auf kommunaler Ebene nicht daran, weil der Regionalplanung bei der Windkraft die Verbindlichkeit fehlt“. Beim kritisierten Windpark steht keine WIA in einem Bereich, der als Vorranggebiet für Windkraft ausgewiesen werden soll.
Eine nicht verbindliche Regionalplanung entfalte aber keine Lenkungswirkung, wie es der eigentliche gesetzliche Auftrag für die Regionalplanung sei. „Mit den Gesetzesänderungen in der letzten Legislaturperiode, die die Windkraft in der Abwägung über alle anderen Schutzgüter stellte, ist nach unserer Analyse eine völlige Planungswillkür entstanden“, so Harry Neumann und Immo Vollmer.
Aufgrund der gegebenen Eingriffsschwere in Natura-2000-Schutzgebieten sehen die Experten der NI ferner die Notwendigkeit einer vollumfänglichen Umweltverträglichkeitsprüfung, wo auch die Öffentlichkeit ihre Bedenken einbringen könne. Derzeit werde das Antragsverfahren noch als vereinfachtes Verfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz geführt, bei dem die Öffentlichkeit nicht beteiligt werde.
„Da diese Planung nicht der Raumordnung folgt und hier ein Bereich vorliegt, wo nach der Landesplanung windkraftempfindliche Arten den Vorrang haben sollen, lehnen wir den Windpark insgesamt vollumfänglich ab und fordern die Einstellung der Planung“, so Wolfgang Burens, Harry Neumann und Immo Vollmer.
Das Kartenthema zeigt die Lage der WIA vor dem Hintergrund der landesweiten Prioritätenplanung im Fachbeitrag Artenschutz des Landesamtes für Umwelt Rheinland-Pfalz (LfU). Die EU-Vogelschutzgebiete sind nicht gesondert dargestellt, da sich diese mit dem „Kat. 1-Ausschlussgebiet“ des LfU überlagern. – Grafik: Immo Vollmer
Ansprechpartner:
Keine Windenergie im Wald!
Die viel gefragte Sonderbroschüre „Keine Windenergie im Wald!“ erscheint in der nunmehr 3. überarbeiteten Auflage und gibt damit den aktuellen Rechtsstand aufgrund der zahlreichen Gesetzesänderungen wieder. Sie analysiert in einem Beitrag von Rechtsanwalt Dr. Faller auch die Umsetzung der RED III-Richtlinie.
„Viele Windkraftanlagen gefährden Vogelschutz“
„Studie der Deutschen Wildtier Stiftung liefert besorgniserregende Ergebnisse“ und bestätigt damit die jahrelange Einschätzung der Naturschutzinitiative (NI).
„Die Genehmigungen vieler Windkraftanlagen dürften sich bei einer erneuten Prüfung als rechtswidrig erweisen, ...“
Windenergienalagen im Wald bedeuten dessen Industrialisierung
Von Prof. Dr. Herbert Zucchi / Wälder sind Lebensraum für eine Fülle von Tier-, Pilz- und Pflanzenarten - allein in unseren Buchenwäldern leben etwa 5.800 Tierarten; sie sind wichtige Regulatoren des Wasserhaushalts und speichern Trinkwasser; sie verhindern Erosion; sie legen langfristig Kohlenstoff fest; sie filtern Schadstoffe aus der Luft;...
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Der „fledermausverträglichere“ Ausbau der Windkraft oder: Wie Fledermausexperten den Mythos vom „naturverträglichen“ Ausbau der Windkraft zementieren - Ein Zwischenruf von Dr. Wolfgang Epple
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